Südafrika Früherer Apartheids-Minister muss wegen Mordversuches nicht hinter Gitter

Zehn Jahre auf Bewährung: Obwohl der ehemalige Polizeiminister des südafrikanischen Apartheid-Regimes einen Mordversuch gestanden hat, bleibt er auf freiem Fuß. Der ANC begrüßt das Schuldbekenntnis und hofft auf weitere Geständnisse.


Pretoria - Vor dem Gericht in Pretoria hatte Adriaan Vlok eingeräumt, 1989 versucht zu haben, den schwarzen Prediger Frank Chikane zu vergiften. Vlok war ein Vertreter der Apartheid-Regierung, die Südafrika bis Anfang der 90er Jahre mit einer Politik der Rassentrennung regierte. Mit ihm wurden vier weitere Polizisten zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Chikane ist ein enger Vertrauter des heutigen Präsidenten Thabo Mbeki. Damals arbeitete er als Generalsekretär des südafrikanischen Kirchenrates, eine der Organisationen, die den Kampf gegen die Apartheid anführten.

Der 70-jährige Vlok, der Chikane bereits im vergangenen September um Vergebung gebeten und ihm in einem Akt der Reue die Füße gewaschen hatte, zeigte sich nach dem Urteil erleichert: "Meine Beteiligung daran (Apartheid) war auch falsch. Ich muss meine Verantwortung dafür akzeptieren. Das tue ich nun." Vlok erklärte nach der Urteilsverkündung auch, dass es eine ganze Liste mit Regierungsgegnern gegeben habe, die "neutralisiert" werden sollten. Chikane sei aber der einzige gewesen, bei dem man einen Mordversuch unternommen habe.

Chikane, der Vlok vor Gericht freundlich begrüßte, zeigte sich erfreut über das Urteil. "Ich freue mich, dass diese Sache vorbei ist. Wir können jetzt vorangehen", sagte er. Eine zweite Anklage gegen die Männer wegen eines Mordkomplotts wurde fallengelassen. Die Angeklagten willigten im Gegenzug ein, bei einem künftigen Prozess gegen einen weiteren Polizisten auszusagen, der bisher eine Beteiligung an der Tat bestreitet.

Vor dem Gericht protestierten Angehörige von Apartheidsopfern gegen das ihrer Ansicht nach zu milde Urteil. Die südafrikanische Regierungspartei ANC hat das Schuldgeständnis von Adriaan Vlok begrüßt. Die Übernahme von Verantwortung sei ein Schritt zur Versöhnung im Land, erklärte der Afrikanische Nationalkongress. Er hoffe, dass sich nun weitere Beteiligte an Apartheids-Verbrechen offenbarten.

Die Oppositionspartei Demokratische Allianz bezeichnete das Ergebnis des Prozesses als zufriedenstellend und begrüßte die Tatsache, dass "die Männer, die Befehle ausführten, nicht allein auf der Anklagebank saßen", wie es während der Arbeit der Wahrheits- und Versöhnungkommission (TRC) häufig der Fall gewesen sei.

esp/afp



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