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Erschossener südafrikanischer Torhüter Tod eines Nationalhelden

Südafrika trauert um den erschossenen Torhüter Senzo Meyiwa. Der gewaltsame Tod des Fußballhelden zeigt: Das Land ächzt noch immer unter einer der höchsten Mordraten der Welt.

Der Staatschef, der Sportminister, der Präsident des südafrikanischen Fußballverbands, der Nationaltrainer - alle waren entsetzt, als sie die Nachricht von der Ermordung Senzo Meyiwas erreichte.

Der 27-jährige Fußballstar war am Sonntagabend um 20 Uhr Ortszeit von unbekannten Tätern in seinem Haus in Vosloorus erschossen worden. Er hatte versucht, seine Freundin, die Afropop-Sängerin Kelly Khumalo, zu schützen, und wurde getroffen.

Senzo Meyiwa starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Raubmörder entkamen zu Fuß. Ihre Beute: ein Handy und ein paar Wertsachen.

Der Mord löste eine Welle der Empörung in ganz Südafrika aus, in den schwarzen Townships war die kollektive Trauer so groß wie seit dem Tod von Nelson Mandela im Dezember 2013 nicht mehr. Denn Senzo Meyiwa war ein Idol für Millionen von Fußballfans.

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Gewaltverbrechen: Südafrika trauert um Nationaltorwart

Foto: Barry Aldworth/ dpa

Er stand zwischen den Pfosten der Orlando Pirates, des legendären Erstligaklubs aus Soweto, und galt als einer der besten Torhüter Afrikas. Zuletzt hatte er als Keeper und Kapitän von Bafana Bafana geglänzt und die südafrikanische Nationalelf aus der Krise geführt.

"Absolut niederschmetternd"

"Ich bin schockiert und tieftraurig", sagt Max Grünewald. Der 32-jährige Deutsche ist Manager von Ajax Cape Town, das Team spielt ebenfalls in der südafrikanischen Premier League. Seine Mannschaft hatte noch am Samstag in einem Pokalspiel gegen die Orlando Pirates eine 1:4-Schlappe hinnehmen müssen. Grünewald gratulierte nach dem Match den Siegern und sah Senzo Meyiwa zum letzten Mal lebend.

Zwanzig Stunden später erfuhr er von der Bluttat. "Absolut niederschmetternd. Senzo gehörte zu den talentiertesten Torwarten am Kap. Und er war ein echter Nationalheld, der nicht nur sein Tor hütete, sondern versuchte, seine Freundin zu schützen."

Den ganzen Montag über liefen die Telefonleitungen der Radiostationen heiß. Zahlreiche Fans machten ihrem Zorn Luft, viele weinten, als sie ihr Beileid bekundeten. Und immer wieder wurde die Forderung erhoben, endlich wieder die Todesstrafe einzuführen.

Leben in einem "mörderischen Land"

Ein Anrufer aus Durban sprach aus, was viele Südafrikaner bedrückt. "Jetzt wird uns wieder einmal bewusst, in welch einem mörderischen Land wir leben. Jeden Tag werden hier fünfzig Menschen ermordet - wir nehmen es hin und empören uns erst, wenn ein Prominenter stirbt."

Südafrika hat eine der höchsten Mordraten der Welt, im jüngsten Berichtsjahr 2013/14 wurden laut Polizeistatistik 17.068 Menschen umgebracht. Allein die Provinz Westkap verzeichnet per annum mehr Morde als Großbritannien, Frankreich, Italien, Polen, Spanien und Deutschland zusammengenommen.

Die unterbesetzte und schlecht ausgerüstete Polizei steht schwer in der Kritik, man wirft ihr Untätigkeit, Inkompetenz und Korruption vor.

Die überwältigende Mehrheit der Täter und Opfer ist schwarz, in vielen Armenvierteln herrschen Rechtlosigkeit und Anarchie. Doch es sind vor allem die hellhäutigen Bürger, die sich erzürnen - obwohl sie gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil (8,9 Prozent laut Zensus 2011) relativ selten von Gewaltverbrechen betroffen sind.

Zum Vergleich: Allein in drei Sektionen von Khayelitsha, einer Township vor den Toren Kapstadts, wurden zwischen April 2013 und März 2014 353 Personen ermordet. Im weißen Mittelstandsviertel Claremont verzeichnet die regierungsamtliche Statistik für den gleichen Zeitraum die Zahl null.