Südsee-Insel Nuku Hiva Prozess um getöteten deutschen Segler hat begonnen

Auf der Südsee-Insel Nuku Hiva wurde der deutsche Weltumsegler Stefan R. brutal getötet, seine Leiche verbrannt. Vor einem Gericht in Papeete hat jetzt der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Der behauptet, er habe sich für eine Vergewaltigung rächen wollen.
Skulptur auf der Südseeinsel Nuku Hiva: Weltumsegelung, die zum Alptraum wurde

Skulptur auf der Südseeinsel Nuku Hiva: Weltumsegelung, die zum Alptraum wurde

Foto: Corbis

Papeete - Der Tod von Stefan R. aus Pinneberg sorgte im Oktober 2011 nicht nur in Deutschland für Entsetzen, sondern versetzte die ganze internationale Seglergemeinschaft in Unruhe. Ein Jäger soll den Weltumsegler während eines gemeinsamen Ausfluges auf der Südseeinsel Nuku Hiva erschossen, zerstückelt und dann verbrannt haben.

Als die Ermittler menschliche Knochenreste und Zähne in einer Feuerstelle fanden, vermuteten viele, dass es sich um einen obskuren Fall von Kannibalismus handeln könne. Diese These wurde in der Folge entkräftet, die skrupellose Tötung des Deutschen allerdings blieb ein Tatbestand, nachdem ihm die Überreste per DNA-Analyse zugeordnet werden konnten.

Mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Verbrechen hat jetzt vor einem Gericht in Französisch-Polynesien der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Arihano H. begonnen. Er soll nicht nur Stefan R. getötet, sondern auch dessen Lebensgefährtin Heike D. sexuell belästigt und mit dem Tode bedroht haben. D. war es damals gelungen, vor ihrem Peiniger zu fliehen. Die aus Würzburg stammende Frau schrieb später ein Buch über die "Weltumsegelung, die zum Alptraum wurde".

Rache für Vergewaltigung?

Arihano H. hat die Tötung bereits gestanden. Als Motiv gab er an, der damals 40-jährige Stefan R. habe ihn zuvor vergewaltigt. Er habe seinerseits dessen Freundin an einen Baum gebunden und sexuell belästigt, weil er ihr habe zeigen wollen, "was ihr Mann mit mir gemacht hat".

"Das ist aberwitzig", kommentierte der Anwalt der Familie, Yves Pirou, die Aussagen von H. Der Angeklagte habe die Tatsachen offenbar "auf den Kopf gestellt". Es gebe es keinerlei Hinweise auf homosexuelle Neigungen des Opfers, während der Tatverdächtige im Vorfeld durchaus entsprechende Erfahrungen gesammelt habe. Wahrscheinlicher sei vielmehr, dass der Jäger den Touristen vergewaltigt oder dies zumindest versucht habe.

Auch die Ermittler bezweifeln die Behauptungen des Angeklagten und verwiesen darauf, dass der Jäger seinem Opfer physisch überlegen war. Außerdem seien bei seiner Festnahme keine Spuren eines "gewaltsamen Analverkehrs" festgestellt worden.

Die planvolle Beseitigung der Leiche will der Angeklagte nicht einräumen: Der Deutsche sei in die Feuerstelle gefallen, nachdem er ihm "eine Kugel in den Kopf geschossen" hatte, sagte er in der polynesischen Hauptstadt Papeete.

Der Anwalt des Angeklagten, Vincent Dubois, versicherte, der Jäger sei "kein Monster". Es müsse bei der Bergtour etwas vorgefallen sein. H. hatte sich nach der Tat zunächst 50 Tage lang in den Wäldern der Insel versteckt, dann aber den Behörden gestellt.

Das Urteil des Schwurgerichts von Papeete wird am Freitag erwartet. Dem Angeklagten droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

ala/dpa/AFP
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