Supermarkt-Überfälle Der letzte Kunde

Ist der Todesschütze von Hannover ein Serientäter? Die Behörden gehen Hinweisen nach, wonach der Supermarkträuber schon früher zugeschlagen haben könnte. Womöglich drückte er schon einmal ab.

Fahndungsfoto der Polizei Hannover: "Auffällige Übereinstimmungen"
Polizeidirektion Hannover

Fahndungsfoto der Polizei Hannover: "Auffällige Übereinstimmungen"

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Hamm/Hannover - "Vorsicht", schrieb die Polizei mit roter Schrift auf ihr Fahndungsplakat, "Person ist bewaffnet." Damals, es war im Frühjahr, setzten die Ermittler aus dem nordrhein-westfälischen Hamm 3000 Euro Belohnung aus für Hinweise, die zur Ergreifung des brutalen Räubers führen könnten. Denn wenige Wochen zuvor hatte der Unbekannte eine Lidl-Filiale überfallen und dabei eine Kassiererin niedergeschossen. Bislang ist die Tat nicht aufgeklärt.

Nun aber haben sich neue Ermittlungsansätze ergeben. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE prüfen Kriminalisten in mehreren Bundesländern die offensichtlichen Parallelen zu einem Raubmord in Hannover. In einem Supermarkt im Stadtteil Stöcken hatte ein Mann am vergangenen Donnerstag einen 21 Jahre alten Kunden erschossen, der den Täter überwältigen wollte. "Es gibt auffällige Übereinstimmungen zwischen den Überfällen", sagt ein Beamter.

  • So fahndet die Polizei Hamm seit Monaten nach einem untersetzten Mann, der "gebrochenes Deutsch mit osteuropäischem Akzent" spricht und nicht sehr groß sein soll. Auch der Raubmörder von Hannover sprach den Ermittlern zufolge mit "osteuropäischem Akzent" und misst etwa 1,60 Meter. Das mutmaßliche Alter des Verdächtigen wurde in beiden Fällen mit 45 bis 55 Jahren angegeben.

  • Zudem trug der Täter in dem Hammer Fall eine "terrakottafarbene Jacke und eine dunkle Schiebermütze", wie es in dem Fahndungsaufruf der Polizei heißt. Das Überwachungsvideo aus dem Geschäft in Hannover, in dem der Unbekannte um sich schoss, zeigt nun einen Mann, der ganz ähnlich gekleidet ist.

Polizei Hannover

  • Die interessanteste Übereinstimmung für die Beamten ist jedoch der "Modus Operandi", also die Art des Vorgehens. Sowohl in Hamm als auch in Hannover schlug der Täter abends kurz vor Geschäftsschluss zu. Er drückte sich einige Zeit zwischen den Regalen herum und ging dann als letzter Kunde mit einigen Kleinigkeiten an die Kasse. Dann zückte er seine Waffe. Vom Tatort floh er in beiden Fällen mit dem Fahrrad.

Die Ermittler prüfen daher, ob sie es mit einem Supermarkt-Serientäter zu tun haben. "Wir schauen sehr sorgfältig, ob sich andere Fälle damit in einen Zusammenhang bringen lassen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Thomas Klinge, auf Anfrage. Demnach könnten dem Mann womöglich bis zu 15 Taten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen zugeordnet werden. Die Polizei teilte mit, es seien bislang etwa 50 Hinweise zu dem Gesuchten eingegangen.

Besonders viel versprechen sich die Beamten von einem Vergleich der Projektile und Patronenhülsen, die in Hamm und Hannover gefunden wurden. Handelt es sich um dieselbe Munition, um dieselbe Waffe? Lässt sie vielleicht Rückschlüsse auf den Täter zu? "Die Untersuchung läuft", so Klinge, dauere aber noch an und brauche "länger als im Fernsehen".

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