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Tamir Rice: Tödliche Verwechslung

Foto: David Maxwell/ dpa

Wegen Spielzeugpistole Zwölfjährigen erschossen - Gutachten entlastet Polizisten

Experten entlasten den Beamten, der vergangenes Jahr den zwölf Jahre alten Tamir Rice erschossen hatte. Der Junge hielt eine Spielzeugpistole in der Hand - doch das hätte der Polizist nicht erkennen können.

Die Aufnahmen der Überwachungskamera, die den Vorfall festhalten, sind unscharf. Sie zeigen einen schwarzen Jungen, der auf einem Bürgersteig läuft und irgendetwas in der Hand hält. Der Junge heißt Tamir Rice, zwölf Jahre alt, er hatte eine Druckluft-Spielzeugpistole dabei.

Bei der Polizei war ein Notruf eingegangen, und jemand hatte gesagt, er hätte einen Bewaffneten gesehen. Zwei Polizisten rückten aus, sahen den Jungen mit der Pistole, und einer der Beamten schoss auf den Jungen und verletzte ihn tödlich. Die Polizisten wurden vom Dienst suspendiert, eine Ermittlung wurde eingeleitet.

Nun entlastet ein Expertengutachten den Schützen.

Ein Staatsanwalt aus Denver und eine FBI-Agentin im Ruhestand befanden übereinstimmend, dass der weiße Polizist Timothy L. "angemessen" gehandelt habe, als er auf Tamir Rice schoss. Sie verwiesen auf den Notruf, der den Einsatz ausgelöst hatte.

Doch dabei gibt es eine Unstimmigkeit: Der Anrufer äußerte bereits die Vermutung, es handele sich womöglich um keine echte Waffe: "Die Pistole ist vermutlich nicht echt, aber der Typ jagt mir eine Wahnsinnsangst ein", sagte der Anrufer, wie die "New York Times" berichtet.  Den Notruf stellte die Zeitung auf ihre Homepage. In dem Gutachten, das nun vorliegt, heißt es, die Polizisten hätten die Information, dass die Waffe womöglich unecht sei, nicht erhalten. Warum sie das nicht erfuhren, ist unklar.

Der Polizist hatte offenbar Angst um sein Leben

Es gehe nicht darum, ob jeder Officer so gehandelt hätte, erklärte die FBI-Agentin in ihrem Bericht. Der Schütze hätte nicht wissen können, dass die Waffe unecht gewesen sei, zitiert die "New York Times" aus dem Gutachten.

Der Staatsanwalt schrieb in dem Gutachten, es bestehe kein Zweifel daran, dass der Tod von Rice tragisch und erschütternd sei, vor allem in diesem Alter. Doch der Polizist habe um sein Leben gefürchtet, aus diesem Grund habe er auf den Jungen geschossen.

Aus den neuen Gutachten will die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben vorerst "keine Schlüsse" ziehen. "Die Beweisaufnahme wird fortgesetzt", hieß es in einer Mitteilung. Bis zur Entscheidung der Staatsanwaltschaft über eine Anklageerhebung könnten noch Monate vergehen.

Die Anwälte von Rices Familie warfen der Staatsanwaltschaft vor, den Vorfall ohne Anklage aus der Welt schaffen zu wollen. Die hinzugezogenen Experten stünden auf Seiten der Polizei.

kha/AFP
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