Trier Vermutlich Leiche von vermisster Studentin Tanja Gräff gefunden

Die seit fast acht Jahren vermisste Tanja Gräff ist vermutlich tot. Unweit der Trierer Hochschule wurden menschliche Knochen und Kleidungsreste entdeckt, die laut Polizei der Studentin zuzuordnen sein könnten.


Bei Rodungsarbeiten auf einem Gelände in Trier-Pallien wurden am Montagmorgen Knochen gefunden, bei denen es sich laut Polizei und Staatsanwaltschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit um die sterblichen Überreste der seit Juni 2007 vermissten Studentin handelt. Die Polizei durchsucht derzeit das Terrain nach weiteren Spuren.

Wie der "Trierischer Volksfreund" berichtet, sollen die Überreste gegen 8.50 Uhr am roten Felsen unweit der Hochschule gefunden worden sein. Neben den Knochen fanden die Ermittler an einem von Bäumen und Hecken überwucherten Steilhang Schuhe, Bekleidung und persönliche Gegenstände. "Es gibt genug Anhaltspunkte dafür, dass es Tanja ist", sagte der Anwalt von Tanja Gräffs Mutter, Detlef Böhm.

Für die 58-jährige Mutter wäre dies "eine Erleichterung". "Es war immer ihr erstes Anliegen, ihre Tochter in Würde beerdigen zu können", sagte Böhm. Seit dem Verschwinden von Tanja sei kein Tag vergangen, an dem die Mutter nicht an das Schicksal ihrer Tochter gedacht habe. "Sie hat gespürt, dass sie tot ist." Der Vater erlebte die Gewissheit nicht mehr. Er starb vor knapp zwei Jahren.

Harsche Kritik an Ermittlern

Tanja Gräff war nach einem Besuch einer Sommerparty der Fachhochschule Trier am 7. Juni 2007 spurlos verschwunden. Ihre Eltern und ihr Freund starteten eine beispiellose Suchaktion. Es gab keine Anhaltspunkte, keine Verdachtsmomente, keine Täter, keine Leiche.

Etwa 10.000 Besucher feierten damals an der Hochschule. Das letzte Mal gesehen wurde Tanja laut Polizei gegen 4 Uhr morgens vor einer der Konzertbühnen. Um 4.13 Uhr soll Tanja noch einmal mit einem Bekannten telefoniert haben - dann verlor sich ihre Spur.

Die zuständige "Sonderkommission Fachhochschule" hatte damals Suchtrupps entsandt, mit Spürhunden das Terrain rund um die Fachhochschule durchkämmt, mit Hubschraubern das Gelände von oben überprüft, Taucher in der Mosel, Baggerseen und Teichen suchen lassen - vergebens. Im März 2011 erkundeten Polizeiexperten die Felsen an der Fachhochschule mit einer Drohne - ohne Erfolg.

Waltraud Gräff, die Mutter der Vermissten, hatte noch Ende 2014 schwere Vorwürfe gegen die Ermittler erhoben. So sei der neue Freundeskreis ihrer Tochter damals nicht ausreichend durchleuchtet worden. Auch sei einigen Hinweisen viel zu spät nachgegangen worden. Der Trierer Oberstaatsanwalt Peter Fritzen hatte die Vorwürfe seinerzeit zurückgewiesen.

Ein ehemaliges Mitglied der Sonderkommission, der inzwischen pensionierte Polizist Günter Deschunty, hatte kurz darauf einen Leserbrief an den "Trierischen Volksfreund" geschickt, in dem er erklärt, er habe im Jahr 2011 eine Person ermittelt, bei der es sich um einen der letzten Begleiter der jungen Frau - und damit einen Zeugen oder Tatverdächtigen - handeln könne. "Ich teilte dies dem Leiter der Ermittlungen mit. Die nachfolgenden Untersuchungen waren völlig unzureichend", schrieb er. "Erst auf meine Intervention hin wurde scheibchenweise weiter ermittelt, mit einem nicht akzeptablen Abschluss."

ala/dpa



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