Tatort-Videos Arizona-Attentäter feuerte aus nächster Nähe

US-Ermittler werten derzeit die Videoaufnahmen des blutigen Anschlags auf die US-Abgeordnete Gabrielle Giffords aus. Nach ihren Erkenntnissen feuerte der Täter aus nächster Nähe vorsätzlich auf seine Opfer. Ein Bundesrichter versuchte demnach, einen 65-Jährigen zu retten - und kam dabei selbst ums Leben.

AFP

Tucson - Gleich zwei Dutzend Videos von Überwachungskameras zeigen die Szenerie des blutigen Attentats auf die demokratische Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords im Bild. Am Mittwoch äußerte sich der Chefermittler in Tucson, Arizona, erstmals zum Inhalt einer Aufzeichnung direkt vom Tatort, einem Safeway-Supermarkt in der Stadt.

Demnach zielte der Angreifer hastig und aus einer Entfernung von höchstens 90 Zentimetern auf die Politikerin und traf sie mit einer einzigen Kugel seiner 9-Millimeter-Pistole über der linken Augenbraue. "Alles geschah innerhalb von Sekunden", sagte Richard Kastigar vom Sheriff-Büro in Pima County laut "New York Times".

Danach habe sich der Angreifer nach links gewendet und rücksichtslos auf weitere Anwesende gezielt, die auf Stühlen an der Wand saßen. Innerhalb von 15 Sekunden feuerte er 31 Schüsse ab, berichtet die "Washington Post" am Mittwoch. Der Schütze habe sehr bedacht und laut seiner Einschätzung vorsätzlich gehandelt, sagte Kastigar, der einer Gruppe von 250 Ermittlern vorsteht.

Heldentod eines Richters

Besonders bewegend sei die Tatsache, dass Bundesrichter John M. Roll während des Blutbads offenbar versucht habe, einen Mitarbeiter von Giffords, Ronald Barber, zu retten, erklärten jetzt die Ermittler. Er habe den 65-Jährigen auf den Boden geworfen, ihn mit seinem Körper bedeckt und dann versucht, gemeinsam mit ihm aus der Schusslinie zu robben. "Es ist ganz klar, dass der Richter mehr an seinen Mitmenschen gedacht hat als an sich selbst", so Sheriff Kastigar.

Roll wurde vom Attentäter in den Rücken geschossen und starb noch am Tatort. Barber, der bereits 2006 in Rente ging und danach ehrenamtlich für Giffords arbeitete, geht es den Angehörigen zufolge nach zwei Operationen langsam besser.

Bei dem Anschlag in einem Supermarkt in Tucson, Arizona, starben am 8. Januar sechs Menschen. Giffords und weitere 13 wurden teilweise schwer verletzt. Der Zustand der Kongressabgeordneten ist ernst, sie macht jedoch den Ärzten zufolge gute Fortschritte. Das Attentat hatte in den USA eine hitzige Diskussion darüber entfacht, ob die polemischen und stark polarisierenden politischen Debatten der vergangenen Monate das Verbrechen favorisiert haben könnten.

Der mutmaßliche Täter, der 22-jährige Jared Lee Loughner, befindet sich weiter in Untersuchungshaft in Phoenix. Er gilt als psychisch labil, sein Tatmotiv bleibt weiter im Dunkeln. Die Eltern des Tatverdächtigen, Randy und Amy Loughner, sagten den Ermittlern, sie hätten in letzter Zeit wenig Kontakt zu ihrem Sohn gehabt. Ein Freund des 22-Jährigen berichtete, zwischen Weihnachten und Neujahr habe Loughner ihm eine Waffe gezeigt und gesagt, er brauche sie "für seinen persönlichen Schutz rund ums Haus".

"Ich kann dich nicht hören"

Insgesamt soll es zwei Dutzend Videoaufzeichnungen von dem Überfall geben, nicht nur aus dem Safeway-Supermarkt sondern auch der Umgebung. Laut "Washington Post" ist auf einer der Aufzeichnungen zu sehen, wie der Todesschütze im Gespräch mit einem Angestellten auf seine Ohren zeigt, um deutlich zu machen, dass er Ohrstöpsel trage und ihn nicht hören könne. Die Behörden gehen davon aus, dass er vor dem Massaker in die Kundentoilette des Supermarktes ging und sich die Lärmschützer dort einsetzte.

Etwa 200 FBI-Agenten arbeiten zusätzlich zu den 250 Polizisten an dem Fall. Etwa 300 Personen wurden bereits vernommen. Man habe sämtliche Geschosse vom Tatort gesichert - selbst im Portemonnaie einer Zeugin sei eine Kugel gefunden worden, hieß es.

Ehemann kollabierte bei Falschmeldung über Giffords' Tod

Außerdem wurde bekannt, dass Giffords Ehemann Mark Kelly auf dem Weg nach Arizona im Flugzeug eines Freundes kollabierte, als er im Fernsehen Falschmeldungen über den Tod seiner Gattin vernahm. 20 Minuten lang sei der Astronaut nicht ansprechbar gewesen, hieß es.

"Ich ging zur Toilette und brach einfach zusammen", sagte Kelly im Interview mit dem TV-Sender ABC. "Zu hören, dass sie gerade gestorben sei, war vernichtend." Erst ein Anruf bei seiner Schwiegermutter, die bereits vor dem OP im Krankenhaus von Tucscon stand, habe ihn vom Gegenteil überzeugen können.

ala

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Carla, 09.01.2011
1. ****
Den Zusammenhang verstehe ich jetzt nicht: der Attentäter hatte mit der Tea Party-Bewegung nichts zu tun, sondern war vielmehr ein Anhänger von Josef Stalin, Che Guevara und Hugo Chavez. Zu seinen Lieblingsbüchern gehörte u. a. das Kommunistische Manifest. Es mag ja sein, dass das ideologisch jetzt nicht ganz ins Programm passt, aber entspricht den Tatsache, kann jeder bei Facebook nachlesen.
emobil 09.01.2011
2. No surprise!
Definitiv ja! Und ich schätze, das ist erst der Anfang. Die Hetze und der Hass der Rechten hat in den Staaten inzwischen ein Ausmaß erreicht, das man eigentlich nur noch als "faschistisch" bezeichnen kann - auch wenn die Teebeutel und ihre Medien wahrscheinlich gar nicht wissen, was dieser Ausdruck eigentlich bedeutet. Nun, und in einem Land, in dem es gang und gäbe ist, mit Waffen im Alltag herumzufuchteln und dies für "Freiheit" zu halten, ist es nur eine Frage der Zeit, wann diese Waffen auch mal zum Einsatz kommen. Die Hemmschwelle ist ja jetzt bereits erschreckend niedrig. Nach dem ersten Erschrecken wird man auch schnell wieder zur Tagesordnung übergehen - business as usual - wie bei allen solchen Taten in der Vergangenheit.
Spiegeleii 09.01.2011
3. Was
hat das denn mit einem politischen Streit zu tun wenn ein Einzeltäter ein Attentat verübt? Die Politik in USA wie auch bei uns ist ein einziges schlechtes Schmierentheater. Die Darsteller spielen Demokratie vor. Wenn sich diese Politikschranzen nicht hinter Heeren von Sicherheitsdiensten und Bodyguards verstecken würden, wären die morgen alle tot. Weil der Großteil der Leute schlicht die Schnauze voll hat. Daraus jetzt einen politischen Streit und gegensätzliche Positionen zu lesen, wegen denen es zu irgendeiner Verschärfung der Atmosphäre kommt ist nichts anderes als dem Schmierentehater zuzuspielen. Oder anders gesagt, es ist völlig piepschnurzegal ob der Präsident Bush, Obama, Bob der Baumeister oder Palin heisst. Das ändert überhaupt nichts an der Politik die gemacht wird. 1:1 übertragbar auch auf die BRD. Es ist völlig kackegal ob die SPD mit den Grünen regiert oder die CDU mit der FDP, es ändert sich nichts. Die politische Klasse in unserer westlichen Welt hat mittlerweile den Unterhaltungswert von DSDS erreicht. Da kann man ruhig an den Haaren irgendwelche politischen Scharmützel herbeiziehen, die Mehrheit des Wahlviehs spürt ganz genau das seine Meinung nichts zählt. Und sie zählt nichts bei allen vorhandenen Schauspielern die man wählen darf.
emobil 09.01.2011
4.
Zitat von CarlaDen Zusammenhang verstehe ich jetzt nicht: der Attentäter hatte mit der Tea Party-Bewegung nichts zu tun, sondern war vielmehr ein Anhänger von Josef Stalin, Che Guevara und Hugo Chavez. Zu seinen Lieblingsbüchern gehörte u. a. das Kommunistische Manifest. Es mag ja sein, dass das ideologisch jetzt nicht ganz ins Programm passt, aber entspricht den Tatsache, kann jeder bei Facebook nachlesen.
Soso, das sind also Ihre Quellen der Information und Erkenntnis. Kommentar überflüssig, oder?
Emil Peisker 09.01.2011
5. Hitlers "Mein Kampf"
Zitat von CarlaDen Zusammenhang verstehe ich jetzt nicht: der Attentäter hatte mit der Tea Party-Bewegung nichts zu tun, sondern war vielmehr ein Anhänger von Josef Stalin, Che Guevara und Hugo Chavez. Zu seinen Lieblingsbüchern gehörte u. a. das Kommunistische Manifest. Es mag ja sein, dass das ideologisch jetzt nicht ganz ins Programm passt, aber entspricht den Tatsache, kann jeder bei Facebook nachlesen.
Hi Carla Und Hitlers "Mein Kampf". Ihre ideologische Ablenkung ist ja verständlich, aber unkorrekt. Er fabuliert über eine Regierung, die Gesetze erlässt, die bei genauem Studium der Verfassung als verräterisch entlarvt werden. Zitat: "Sie müssen die Bundesgesetze nicht akzeptieren, aber sie müssen die US-Verfassung lesen, um die verräterischen Gesetze zu begreifen. Sehen Sie, da wird dann ein anderer Schuh draus. Gruß Emil
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