Tel Aviv Tote bei Angriff auf Schwulenzentrum

Schock in Tel Aviv: Ein maskierter Bewaffneter hat bei einem Treff homosexueller Jugendlicher in der israelischen Metropole mindestens drei Menschen erschossen. Viele weitere wurden verletzt - der Täter konnte fliehen.

Aus Tel Aviv berichtet


Bei einem Angriff auf einen Homosexuellen-Treffpunkt in Tel Aviv sind am Samstagabend mindestens drei Menschen getötet worden. Wie die israelischen Rettungsdienste mitteilten, wurden etwa 15 weitere Menschen verletzt.

Ein komplett in schwarz gekleideter und maskierter Mann soll demnach in einem Jugendclub für Homosexuelle mit einem Sturmgewehr, vermutlich vom Typ M-16, unvermittelt das Feuer eröffnet haben. Der Club liegt im Keller des Büros einer großen Homosexuellen-Vereinigung und dient samstagsabends vor allem als Treffpunkt für Jugendliche im Alter von 17 bis 22 Jahren zum Karten- oder Schachspielen. Bei einem der Opfer soll es sich um ein 17-jähriges Mädchen handeln, bei einem zweiten um einen Gruppenleiter der Gemeinschaft.

Der Täter ergriff anschließend die Flucht. Nach Angaben von Augenzeugen versuchte der Angreifer noch, eine nahegelegene Schwulenbar anzugreifen. Wachposten hätten ihm jedoch den Zutritt verwehrt. Die Polizei riegelte die komplette Umgebung des im Zentrum Tel Avivs gelegenen Treffpunkt an der Ecke Nahmani- und Ahad-Haam-Straße ab und leitete umgehend eine Großfahndung ein. Der Täter blieb jedoch zunächst verschwunden.

Das Motiv des Angreifers sei noch unklar, sagte der Polizeichef von Tel Aviv, Schahar Ajalon, und rief zu erhöhter Wachsamkeit in Homosexuellen-Bars auf. Polizeisprecher Micky Rosenfeld sagte, es habe sich höchstwahrscheinlich um ein Verbrechen gehandelt, nicht um einen Terroranschlag.

Mitglieder der Homosexuellen-Vereinigung, die den Treffpunkt unterhält, gingen von einem gezielten Angriff auf ihre Gemeinschaft aus. "Angesichts der Anstachelung zum Hass gegen die homosexuelle Gemeinschaft ist es nicht überraschend, dass so ein Verbrechen begangen werden kann", sagte der Präsident von Tel Avivs Homosexuellen-Vereinigung, Mai Pelem. Allem Anschein nach handele es sich um einen ultraorthodoxen Täter, sagte er und verwies auf heftige Äußerungen in religiösen Kreisen.

Der attackierte Treffpunkt liegt in einem Viertel, das ursprünglich ultraorthodox geprägt war, mittlerweile aber ein buntes Nachtleben und einen hohen Anteil säkular orientierter Bevölkerung besitzt. Diese unterschiedlichen Lebensanschauungen bergen ein hohes Konfliktpotential.

Da Tel Aviv insgesamt für seine gesellschaftliche Offenheit und eine lebendige Homosexuellen-Szene bekannt ist, war der Schock über die Tat in der Stadt am Mittelmeer enorm groß.

mit Material von AFP und AP



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