Tote Deutsche auf Teneriffa Polizei geht von brutalem Verbrechen aus

Ein 43-Jähriger soll auf Teneriffa seine Frau und seinen Sohn getötet haben. Darauf weist unter anderem die Aussage eines überlebenden Kindes hin.

Einsatzkräfte an einer Höhle auf Teneriffa: Hier wurden eine Frau und ihr Sohn tot gefunden.
Andres Gutierrez/AP

Einsatzkräfte an einer Höhle auf Teneriffa: Hier wurden eine Frau und ihr Sohn tot gefunden.


Die spanische Polizei geht nach dem Fund der Leichen einer Deutschen und ihres zehnjährigen Sohnes in einer Höhle auf Teneriffa von einem Verbrechen aus.

"Alles deutet darauf hin, dass die Mutter und ihr Kind in der Höhle brutal zu Tode geprügelt wurden", sagte ein Sprecher der Ermittler. Am mutmaßlichen Tatort rund 15 Kilometer von der Gemeinde Adeje entfernt sei viel Blut gewesen.

Der 43 Jahre alte Ehemann der Toten war schon vor der Entdeckung der Leichen vorläufig festgenommen worden. Der kleine Bruder des toten Jungen hatte der Polizei zuvor von einem brutalen Angriff des Vaters erzählt und so eine große Suchaktion ausgelöst. Der Verdächtige bestreitet, etwas mit dem Tod seiner Frau und seines Kindes zu tun zu haben. Er soll am Freitag dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden.

Die Autopsie der Leichen soll möglicherweise Aufschluss zur Tat bringen. Die beiden Toten wurden Medienberichten zufolge von einem deutschen Freiwilligen entdeckt. Er gehörte zu einem Suchteam von etwa hundert Menschen.

Heftiger Widerstand bei der Festnahme

Unter Berufung auf die Polizei berichtete die Regionalzeitung "Diario de Avisos", der Verdächtige weise "leichte Verletzungen auf, die auf einen Kampf hindeuten". Bei seiner Festnahme habe der Mann heftigen Widerstand geleistet, sagte der Vertreter des Madrider Innenministeriums auf den Kanaren, Juan Salvador León.

In der Vernehmung habe der Mann beteuert, seine Frau und sein Sohn seien noch am Leben gewesen, als er die Höhle verlassen habe. Ein Sprecher der Polizei sagte, es gebe noch "sehr vieles zu klären". Laut der deutschen Polizei stammt die Familie aus Sachsen-Anhalt.

Der kleine Bruder des toten Jungen, dessen Alter in verschiedenen Medien mit fünf oder sechs Jahre angegeben wird, war am Dienstagnachmittag von Passanten weinend, mit dreckiger Kleidung und unter Schock stehend aufgegriffen worden. Die Behörden schätzen, dass das Kind zuvor ungefähr fünf Stunden auf der Insel umhergeirrt war. Der Junge habe der Polizei erzählt, dass der Vater die ganze Familie am Dienstag mit dem Wagen zur Höhle gefahren habe. Dort habe er sowohl die Mutter als auch die beiden Kinder brutal attackiert, berichteten Medien. Dem jüngeren Sohn sei nach eigenen Angaben dann die Flucht gelungen.

"Die schlimmsten Nachrichten"

"Der Kleine war sehr erschrocken, zitterte, hatte viel Angst und bat darum, dass man ihn nach Deutschland bringt", sagte eine Frau, die den Jungen aufgriff und zur Polizei brachte, der Zeitung "El Día". Der Junge wurde derweil von Sozialarbeitern und Psychologen betreut. Medienberichten zufolge hatten sich die Eltern schon vor einiger Zeit getrennt.

Adejes Bürgermeister José Miguel Rodríguez Fraga sagte, der Deutsche wohne den Erkenntnissen zufolge schon seit einiger Zeit dauerhaft in der 43.000-Einwohner-Gemeinde, sei aber nicht gemeldet gewesen. Seine in Deutschland lebende Familie sei regelmäßig zu Besuch gekommen. Die 39 Jahre alte Frau und die Kinder waren laut Bürgermeister erst am Montag auf Teneriffa eingetroffen. Gegen den Festgenommenen lägen in Spanien keine Anzeigen wegen häuslicher Gewalt vor.

Das Verbrechen löste nicht nur in Adeje, sondern in ganz Spanien große Bestürzung, Anteilnahme und Interesse aus. Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigte sich auf Twitter erschüttert: "Aus Adeje (Teneriffa) erreichen uns die schlimmsten Nachrichten. Eine Frau und ihr Sohn sind ermordet worden. Die Macho-Gewalt schlägt wieder doppelt zu."

bbr/dpa



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