Terroralarm in Hamburg Staatsanwalt ermittelt wegen Vorbereitung eines Anschlags

Schwer bewaffnete Polizisten, Straßenkontrollen, Fahndungsaufrufe – mit einem Großaufgebot sucht die Hamburger Polizei nach drei Terrorverdächtigen. Nun hat auch die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet.


Polizeikontrolle in Hamburg: Großeinsatz ergebnislos
AP

Polizeikontrolle in Hamburg: Großeinsatz ergebnislos

Hamburg - 58 Hinweise seien seit gestern Abend eingegangen, sagte eine Sprecherin der Polizei SPIEGEL ONLINE. Diese würden jetzt abgearbeitet. "Es gibt auch vielversprechende Hinweise darunter." Die Polizei rechnet damit, dass nach der Veröffentlichung von Bildern einer Überwachungskamera noch weitere Hinweise kommen. "Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen Vorbereitung eines Sprengstoffanschlages eingeleitet", sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger.

Ein Zeuge - nach Angaben der Polizei ein Nordafrikaner- hatte an der Bushaltestelle die drei Männer beobachtet, in deren Gespräch der Satz: "Wir werden morgen als Helden vor Allah stehen" vorkam, teilte Polizeipräsident Werner Jantosch gestern Abend mit. Die Männer hätten einen Rucksack dabei gehabt. Die Polizei betonte, dass auch ein Missverständnis vorliegen könne. Die drei Männer seien nach dem Gespräch in einen Linienbus gestiegen und stadtauswärts gefahren.

Laut Jantosch wurden sie im Bus von einer Überwachungskamera aufgenommen. Die Polizei gab eine Großfahndung nach den Männern heraus und forderte sie auf, sich zu melden. Polizisten mit Maschinenpistolen kontrollierten Kofferräume von Autos. Pendler an U-Bahnhöfen mussten ihre Aktentaschen vorzeigen. Bei dem Einsatz kam es zu langen Staus. In der Nacht wurden die Maßnahmen eingestellt.

Das belauschte Gespräch ereignete sich nach Angaben der Polizei schon am Mittwochabend um 20.30 Uhr vor dem S-Bahnhof Holstenstraße. Zunächst ermittelte die Kripo verdeckt, kam aber zu keinem Ergebnis. In den Fotoarchiven der Polizei wurden die Männer nicht gefunden.

Fahndungsbilder: "Wir werden morgen als Helden vor Allah stehen"
DPA

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Den Zeugen schätzen die Ermittler als glaubwürdig ein, er stamme auch aus dem arabischen Raum und habe Gesprächsfetzen der auf Hocharabisch geführten Unterhaltung mitbekommen. "Wir haben aber keinen Anschlagshinweis", sagte Innensenator Udo Nagel. Die Bürger müssten nicht besorgt sein.

Hamburg war zeitweise Heimat einiger Attentäter vom 11. September 2001. In den Jahren danach gab es mehrfach Großeinsätze der Polizei wegen mutmaßlicher Terrorgefahr, etwa als die Fahnder einen als gefährlich eingeschätzten Gesprächskreis in einer islamischen Buchhandlung auffliegen ließen. Vor anderthalb Jahren wurde nach einem Terrorhinweis das Bundeswehrkrankenhaus im Stadtteil Wandsbek tagelang abgeriegelt. Die Ermittlungen verliefen im Sande.



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