Terrorermittlungen Fahnder sprengen Auto vor Moschee in Glasgow

Jung, unauffällig, medizinische Ausbildung: Auch auf den achten Verdächtigen, den Fahnder im Zusammenhang mit den Anschlagsversuchen in Großbritannien nun in Australien fassten, passt diese Beschreibung. In Glasgow sprengte die Polizei ein Auto vor einer Moschee, in London drei Feuerlöscher.

London - Ein Sprengstoffexpertenteam brachte das Auto heute Morgen kontrolliert zur Explosion. Der Wagen stand vor einer Moschee in Glasgow und kam den Ermittlern verdächtig vor. Eine Verbindung des Gotteshauses zu den versuchten Anschlägen in Glasgow und London konnten die Fahnder allerdings nicht finden. Die Sprengung sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, teilte ein Sprecher mit. Auch drei Feuerlöscher, die auf dem Bürgersteig vor der U-Bahnstation Hammersmith in London standen, wurden gesprengt. Im Rahmen der Terrorfahndung hatte die Polizei in den vergangenen Tagen mehrfach verdächtige Gegenstände in Fahrzeugen gesprengt.

Am Samstag hatten zwei Männer einen brennenden Jeep beladen mit Gasflaschen in einen Terminal des Glasgower Flughafens gesteuert. Einen Tag zuvor waren zwei Autos mit Sprengladungen in London entdeckt worden. Insgesamt acht Verdächtige sind im Zusammenhang mit den Attentatsversuchen festgenommen worden.

Die jüngste Festnahme ereignete sich in Australien. Der am Flughafen von Brisbane festgenommene Arzt habe die indische Staatsbürgerschaft, sagte der australische Premierminister John Howard heute. Der 27-jährige Mediziner namens Mohammed H. sei beim Gesundheitsdienst des Bundesstaates Queensland beschäftigt gewesen.

Der Verdächtige hatte bei seiner Festnahme nach Angaben des australischen Justizministers Philip Ruddock das Land verlassen wollen. Die australische Polizei sei auf einen Tipp der britischen Kollegen hin aktiv geworden. Nach Angaben von Ruddock hatte der Mann nur einen Flugschein für einen einfachen Flug gelöst. Ersten Angaben zufolge wollte der Mann nach Indien.

Nach Angaben von Beattie hatte der Mann einen Teil seiner Ausbildung in Indien absolviert. Er sei von der australischen Klinik über eine Anzeige im "British Medical Journal" rekrutiert worden, als er noch in Liverpool lebte. Zuvor hatte er im Halton Hospital in Runcorn, Cheshire, gearbeitet.

Kollegen beschreiben den Mann als "vorbildlichen Menschen in jeder Hinsicht". Dass er in Terrorakte verwickelt sein könnte, kann sich dort niemand vorstellen. Laut Howard ist während eines Verhörs der Name eines weiteren Arztes gefallen, der nun befragt werde, aber nicht festgenommen worden sei. Unter den sieben in Großbritannien festgenommenen Tatverdächtigen sind ebenfalls zwei Ärzte, einer aus Jordanien und einer aus dem Irak.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen entdeckten Ermittler unterdessen die Bombenwerkstatt der gescheiterten Attentäter. Die Sprengsätze seien in der Nähe von Glasgow hergestellt worden.

Büros im Krankenhaus durchsucht

Gestern Nachmittag hatte die Polizei in zwei Krankenhäusern in Großbritannien Räume von Mitarbeitern durchsucht. Die schottischen Ermittler filzten nach Angaben eines Sprechers im North Staffordhire Hospital das Büro eines jordanischen Mediziners, der als Drahtzieher des Anschlags verdächtigt wird.

Bei einem weiteren Einsatz wurden Räume von Angestellten im Royal Alexandra Hospital durchsucht. Dort wird einer der Attentäter von Glasgow behandelt. Er hatte sich schwere Verbrennungen zugezogen, als er mit einem Komplizen einen Jeep in die Eingangshalle des Flughafens raste und der Wagen in Flammen aufging. Vor dem Krankenhaus waren gestern Nachmittag Zeugen zufolge zwei Explosionen zu hören. Es handelte sich um kontrollierte Detonationen durch die Polizei.

Bei einem der beiden im Zusammenhang mit dem Anschlag Festgenommenen handelte es sich nach einem Bericht des Fernsehsenders Sky News und der BBC um einen irakischen Arzt. Bilal A. habe sein Diplom 2004 in Bagdad erhalten, meldete Sky News unter Berufung auf Polizeiangaben. Die Ermittler hatten zuvor bestätigt, dass wegen der fehlgeschlagenen Attentate in Glasgow und London zwei aus dem Nahen Osten stammende Ärzte festgenommen worden seien.

Die britische Innenministerin Jacqui Smith betonte, alle Berichte über die mögliche Herkunft der Festgenommenen seien Spekulation. Behördenvertreter in Jordanien bestätigten hingegen, dass sich darunter ein 27-jähriger jordanischer Arzt palästinensischer Herkunft und seine Frau befinden. Der Arzt sei vermutlich der Drahtzieher der Attentatsversuche, hieß es in Amman.

"Mein Sohn ist nicht in der Lage, so etwas zu tun"

Der Vater des Jordaniers sagte, er könne seinen Sohn und dessen Frau schon seit Tagen telefonisch nicht mehr erreichen. Allerdings sei er offiziell nicht über die Festnahme informiert worden. "Mein Sohn ist nicht in der Lage, so etwas zu tun", sagte der Vater. Die Familie A. stammt aus Hebron im Westjordanland. A. beschrieb seinen Sohn als fromm, aber nicht extremistisch. Nach Studien in Jordanien habe sich A. junior als Neurologe spezialisiert und sei 2005 nach Großbritannien gezogen. Die britische Polizei wollte Berichte der BBC nicht bestätigen, nach denen alle Festgenommenen aus dem Nahen Osten stammen.

Den Attentätern von Glasgow war die Polizei offenbar kurz vor der Tat dicht auf den Fersen: Wenige Minuten vor dem Anschlag hätten Ermittler die Wohnungsvermittlung Let-It kontaktiert, sagte deren Mitarbeiter Daniel Gardiner. Die Firma habe einem Verdächtigen ein Haus in Houston vermittelt, einem Vorort von Glasgow. Die beiden Männer, die am Samstag ein mit Gasflaschen bestücktes Fahrzeug in den Flughafen in Glasgow steuerten, seien vermutlich dieselben, die am Tag zuvor zwei Autobomben in London platziert haben, berichtet CNN unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen aus Sicherheitskreisen. Eine offizielle Stellungnahme gibt es dazu bislang nicht.

Auf die Spur kam die Polizei den Verdächtigen offenbar durch Handys, die am Freitag in den beiden Bomben-Mercedes in London entdeckt wurden. Da der Zündmechanismus versagte, konnten die Ermittler die Handys auswerten, berichtete der "Evening Standard": Die Telefone seien in der fraglichen Nacht zwei beziehungsweise vier Mal angerufen worden. "Aus technischen Gründen" seien die Explosionen nicht ausgelöst worden, berichtet das Blatt weiter. Die Verbindungsdaten führten die Ermittler zu Adressen in Liverpool, Glasgow und Staffordshire.

asc/ffr/AP/AFP/dpa/Reuters

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