Terrorfahndung Drei Männer in Hamburg festgenommen

Die Hamburger Polizei hat nach dem gestrigen Terroralarm drei verdächtige Männer in Gewahrsam genommen. Es handelt sich um drei Tschetschenen zwischen 21 und 25 Jahren. Hinweise auf einen bevorstehenden Anschlag gibt es vorläufig nicht.


Hamburg - Einer der drei sei von der Polizei festgenommen worden, teilte der Leiter des Hamburger Landeskriminalamtes, Reinhard Chedor, mit, die anderen beiden hätten sich freiwillig gestellt. Es handele sich höchstwahrscheinlich um die drei Gesuchten. "Ich gehe im Moment davon aus, dass keine konkreten Anschlagspläne vorlagen", sagte Chedor weiter. Dies sei allerdings eine vorläufige Einschätzung. Das endgültige Ergebnis der Ermittlungen stehe noch aus, sagte der LKA-Chef.

Zuvor waren Dutzende von Hinweise eingegangen. Der Großeinsatz mit mehr als tausend Beamten war gestern Abend gegen 19.30 Uhr gestartet worden, da ein verdächtiges Gespräch an einer Haltestelle Anhaltspunkte für eine mögliche Straftat ergeben hatte.

Die drei Männer, die einen Rucksack bei sich trugen, stiegen den Ermittlungen zufolge nach dem Gespräch in einen Linienbus und fuhren stadtauswärts. Sie wurden im Bus von einer Überwachungskamera aufgenommen. Die Polizei gab eine Großfahndung heraus und forderte die Männer auf, sich zu melden. Heute erschienen die Bilder in den Hamburger Zeitungen auf der ersten Seite.

Bei der Großfahndung war es gestern Abend zu langen Staus gekommen. Polizisten mit Maschinenpistolen kontrollierten Kofferräume von Autos. Pendler an U-Bahnhöfen mussten ihre Aktentaschen vorzeigen. Eine herrenlose Tasche in einem Gleisbett wurde gesprengt, sie enthielt aber nur Reisegepäck. In der Nacht wurden die Maßnahmen eingestellt.

Innensenator rechtfertigt großen Aufwand

"Wir haben aber keinen Anschlagshinweis", sagte Innensenator Udo Nagel auf einer Pressekonferenz. Die Bürger müssten nicht besorgt sein. Er rechtfertigte den großen Aufwand: "Entweder man macht was, oder man macht nichts. Wenn man aber etwas macht, dann auch gescheit", sagte Nagel. Er machte aber auch klar, dass es es sich um eine Verwechslung oder eine falsche Wahrnehmung des Zeugen handeln könne. "Es ist auch nicht auszuschließen, dass es sich um einen schlechten Scherz gehandelt hat", sagte Nagel.

Noch sei offen, wann die Verdächtigen wieder freigelassen werden, sagte ein Polizeisprecher. "Das hängt davon ab, was sie sagen", betonte Chedor. Einzelheiten aus den Verhören wollte die Polizei nicht nennen. "Wir sind erst am Anfang."

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte: "Ich kann noch nicht beurteilen, ob die Festgenommenen irgendetwas im Schilde geführt haben." Es sehe im Moment aber nicht danach aus. "Ich bin dafür, dass man jedem Verdacht nachgeht." Man müsse wegen der Bedrohung wachsam sein, solle aber nicht in Panik verfallen, sagte der Minister bei einer Veranstaltung in Hamburg-Rahlstedt.

Hamburg war zeitweise Heimat einiger Attentäter vom 11. September 2001. In den Jahren danach gab es mehrfach Großeinsätze der Polizei wegen mutmaßlicher Terrorgefahr, etwa als die Fahnder einen als gefährlich eingeschätzten Gesprächskreis in einer islamischen Buchhandlung auffliegen ließen. Vor anderthalb Jahren wurde nach einem Terrorhinweis das Bundeswehrkrankenhaus in der Stadt tagelang abgeriegelt.



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