Terrorplot von London Behörden prüfen Kontakte nach Deutschland

Nach den vereitelten Terror-Anschlägen von London überprüfen die deutschen Behörden die Verbindung eines der Festgenommenen zu einem in Deutschland lebenden Glaubensbruder. Bisher gibt es aber keine Hinweise auf eine direkte Beteiligung von in Deutschland lebenden Personen.


Berlin - In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" deutet der ehemalige Bundesnachrichtendienstchef und heutige Innenstaatssekretär August Hanning eine Verbindung der Londoner Gruppe nach Deutschland nur vage an. "Offenbar gab es einige Kontakte der mutmaßlichen Attentäter nach Deutschland, diese Kontakte überprüfen wir", sagte der Sicherheitsexperte, der in den vergangenen Tagen intensiv über die Ermittlungen in London, Pakistan und den USA informiert worden war.

Hanning betonte jedoch auch, dass Deutschland von den Anschlagsplänen nicht unmittelbar betroffen gewesen sei.

Aus Sicherheitskreisen verlautete, es gebe bisher keine Hinweise, dass die möglichen Attentäter Aktionen in Deutschland geplant hätten. Über die deutsche Spur sei bei den Behörden auch nur wenig bekannt. Kenner der Ermittlungen sprachen von losen Kontakten eines der in London festgenommenen Männer, allesamt Pakistaner mit britischen Pässen, nach Deutschland.

Demnach besuchte einer der zurzeit in Großbritannien Inhaftierten im Frühjahr 2003 einen Glaubensbruder in Westdeutschland. Bisher wird ausgeschlossen, dass die Person in Deutschland in die Anschlagspläne eingeweiht wurde oder gar der Gruppe der Verdächtigen angehörte. Gleichwohl werde der Vorgang geprüft.

Unklar ist auch eine weitere Verbindung, die ein anderer der Festgenommenen nach Deutschland unterhalten haben soll. Der seit Jahren flüchtige Bahaji gilt als Chef-Logistiker der Hamburger Attentäter vom 11. September 2001. Der Deutsche marokkanischer Herkunft soll direkt an den Anschlägen in den USA beteiligt gewesen sein, seitdem ist er untergetaucht.

Seit seiner Flucht fahndet das Bundeskriminalamt (BKA) intensiv nach Bahaji, der zu den meistgesuchten Qaida-Mitgliedern gehört. Aus abgefangenen E-Mails an seine Ex-Frau wissen die Ermittler, dass sich Bahaji zumindest zeitweise in der pakistanischen Großstadt Karatschi aufgehalten hat. Dort soll sich auch einer der Köpfe der in Großbritannien verhafteten Gruppe immer wieder aufgehalten haben. In den Mails bestritt Bahaji mehrmals die Beteiligung an den Anschlägen in den USA und forderte seine Ex-Frau auch mehrmals auf, aus Deutschland auszureisen. Die letzten abgefangenen E-Mails sind erst wenige Monate alt.

Matthias Gebauer



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