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Festnahmen in Thüringen Bundesanwaltschaft lässt drei Neonazis verhaften

Erneut gehen Ermittler nach SPIEGEL-Informationen gegen die mutmaßliche Terrorgruppe »Knockout 51« vor. Drei Rechtsextremisten wurden verhaftet – darunter der bekannte Aktivist Patrick W.
Polizeieinsatz (Symbolbild)

Polizeieinsatz (Symbolbild)

Foto: Marco Kneise / IMAGO

Im Ermittlungsverfahren gegen die rechtsextremistische Kampfsportgruppe »Knockout 51« hat die Karlsruher Bundesanwaltschaft drei Neonazis verhaften lassen. Wie eine Behördensprecherin auf Anfrage bestätigte, erfolgten die Festnahmen in den Morgenstunden in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt und in Eisenach.

Verhaftet wurden nach SPIEGEL-Informationen die rechten Aktivisten Marvin W., Kevin N. sowie der bekannte Rechtsextremist Patrick W. Den Verhafteten Marvin W. und Kevin N. wird demnach die Mitgliedschaft in einer kriminellen und terroristischen Vereinigung vorgeworfen, Kevin N. wird als Rädelsführer verdächtigt. Patrick W. wurde als mutmaßlicher Unterstützer der Vereinigung verhaftet.

Polizei und Justiz ermitteln schon länger gegen Mitglieder und Unterstützende von »Knockout 51« – nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden handelt es sich um eine kriminelle beziehungsweise terroristische Vereinigung.

Unter anderem soll die rechte Kampfsportgruppe im »Flieder Volkshaus« in Eisenach trainiert haben, in dem auch die Landesgeschäftsstelle der früheren NPD untergebracht war. Das Haus galt als Treffpunkt der militanten Neonaziszene, mit überregionaler Anziehungskraft.

Der justizbekannte Gewalttäter Patrick W., der auch als NPD-Kader aktiv war, ist bereits seit Längerem im Visier der Ermittler. 2022 bestätigte er auf Anfrage, dass gegen ihn ermittelt werde: Als Vorstand des Vereins, der das »Flieder Volkshaus« betreibt, habe er den Leuten von »Knockout 51« Trainingsflächen zur Verfügung gestellt und sie juristisch beraten. Er rechne damit, dass sich die Vorwürfe »in Luft auflösen«.

Vor dem Thüringer Oberlandesgericht in Jena läuft seit August ein Prozess gegen vier Mitglieder der Neonazigruppe. Der Generalbundesanwalt wirft den Angeklagten unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung, mehrfache gefährliche Körperverletzung, tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Verstöße gegen das Waffenrecht vor.

Mehrere Überfälle auf Linksextremisten

Sie sollen als Mitglieder der Vereinigung unter anderem gezielt Anhänger der linken Szene und Polizisten angegriffen haben. Die Gruppierung errichtete laut Anklage außerdem unter Einsatz von Gewalt einen sogenannten Nazikiez in Eisenach und führte sich dort als »bestimmende Ordnungsmacht« auf.

Spätestens seit April 2021, nach mehreren Überfällen von Linksextremisten auf Mitglieder der Gruppierung und rechte Treffpunkte, war laut Bundesanwaltschaft das Ziel der Vereinigung die Tötung von Anhängern der linksextremen Szene. Dafür statteten sich die Rechtsextremen unter anderem mit Messern, Schlagringen und Teilen einer halb automatischen Waffe aus. Die vier Angeklagten wurden im April 2022 festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

jdl/srö