Streit über US-Waffenrecht nach Amoklauf von Odessa "Dieser Epidemie ein Ende setzen"

In Texas schoss ein Mann wahllos um sich, tötete mindestens vier Menschen und verletzte 21 weitere. Der Amoklauf in einer Einkaufsgegend verschärft die Debatte über ein strengeres Waffenrecht in den USA.

Einsatzkräfte am Tatort: "Jeden Tag, den Sie warten, passieren weitere Tragödien."
Tim Fischer/Midland Daily News/AP/dpa

Einsatzkräfte am Tatort: "Jeden Tag, den Sie warten, passieren weitere Tragödien."


Durch die Schüsse eines Mitte-30-Jährigen sind mindestens vier Menschen gestorben, mehr als 20 weitere wurden verletzt. Der Amoklauf im Süden des Landes hat in den USA die Debatte über eine Reform des Waffenrechts wieder belebt.

Mehrere Präsidentschaftsbewerber der Demokraten forderten eine drastische Verschärfung der Regeln für den Verkauf von Schusswaffen. "Genug. Wir müssen dieser Epidemie ein Ende setzen", sagte der wohl aussichtsreichste Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, Joe Biden.

Ähnliche Worte wählte seine parteiinterne Konkurrentin Kamala Harris: "Ich habe es satt. Amerika hat es satt. Wir müssen handeln." Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren twitterte gerichtet an den republikanischen Mehrheitsführer in der zweiten Kammer des Kongresses, Mitch McConnell: "Jeden Tag, den Sie warten, passieren weitere Tragödien. Tun Sie etwas."

Der mutmaßliche Täter hatte am Samstagabend in den Städten Midland und Odessa aus einem Auto heraus offenbar wahllos um sich gefeuert, bevor ihn die Polizei schließlich erschoss. Sein Motiv ist auch Stunden später unklar. Unter den Verletzten sind auch insgesamt drei Polizisten.

Gouverneur Abbott spricht von "sinnlosem und feigem Angriff"

Der Amoklauf hatte laut Polizei mit einer normalen Verkehrskontrolle begonnen, bei der der Verdächtige plötzlich das Feuer auf einen Polizisten eröffnete. Danach sei er weiter nach Odessa gefahren, habe weiter um sich geschossen. Odessas Bürgermeister David Turner sagte dem Sender Fox News, der Schütze habe auf ein Restaurant gefeuert und in einer Einkaufsgegend um sich geschossen.

US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter, Justizminister William Barr habe ihn über den Vorfall informiert. Auch die Bundespolizei FBI sei eingeschaltet worden. Zur Tat selbst äußerte sich Trump bislang nicht. Während viele Demokraten ihre Beileidsbekundungen an Forderungen nach einer Reform des Waffenrechts knüpften, beschränkten sich republikanische Politiker aber aufs Kondolieren.

Amerikanische Bürgerrechtler werfen Trumps Partei seit Langem eine zu große Nähe zur US-Waffenlobby vor. In den USA sind Waffen in der Regel sehr leicht zu kaufen. Regelmäßig werden Menschen in Schulen, Einkaufszentren oder auf offener Straße erschossen. Tausende Menschen sterben jedes Jahr infolge von Schusswaffengebrauch.

Polizisten vor einem Einkaufszentrum in Odessa: Motiv unklar
Jacy Lewis/Reporter-Telegram/AP/dpa

Polizisten vor einem Einkaufszentrum in Odessa: Motiv unklar

Erst Anfang August hatte ein Schütze im texanischen El Paso 22 Menschen getötet. Er handelte nach eigenen Angaben aus rassistischen Gründen. In Dayton im Bundesstaat Ohio schoss ebenfalls ein Mann um sich und tötete viele Menschen. Die Bemühungen um härtere Waffengesetze blieben bislang aber folgenlos.

In Texas sind die Waffenregeln noch lockerer als in den meisten anderen Bundesstaaten. Den neuerlichen Zwischenfall verurteilte Gouverneur Greg Abbott als "sinnlosen und feigen Angriff". Er werde nicht zulassen, dass Texas von "Hass und Gewalt" überzogen werde.

Auf Twitter wurde Abbott prompt mit einem Tweet aus dem Oktober 2015 konfrontiert. Damals hatte er geschrieben, er sei "beschämt" darüber, dass Texas bei der Statistik zu neuen Waffenkäufen USA-weit Platz zwei hinter Kalifornien belege. Seine Schlussfolgerung damals: "Lasst uns einen Zahn zulegen, Texaner."

Anmerkung der Redaktion: Wir haben gegenüber einer früheren Version dieses Textes inzwischen klargestellt, dass der Schütze mindestens vier Menschen tötete und nicht fünf. Er selbst wurde von der Polizei erschossen.

apr/dpa



insgesamt 201 Beiträge
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Kritik 01.09.2019
1.
Der Amoklauf in (Bitte hier den jeweils aktuellen Ort einsetzen) verschärft die Debatte über ein strengeres Waffenrecht in den USA. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, weil sich nichts ändern wird.
Mikrohirn 01.09.2019
2. Man müsste mal
feststellen (hat man wohl bereits), ob es in den einzelnen Bundesstaaten einen Unterschied zwischen der Zahl der Erschossenen und der Strenge des jeweiligen Waffenrechts gibt (ist lange noch kein Beweis für einen Zusammenhang, aber ein Anfang). Außerdem nützen Gesetze jetzt nichts mehr, denn die Schusswaffen sind ja bereits unter den Leuten - und ob die die freiwillig oder wegen eines Gesetzes abgeben? Man muss ja vorbereitet sein, auf den bad guy with a gun!
claus7447 01.09.2019
3. Unter Trump wird sich nicht ändern
Nach dem letzten Vorkommnissen in El Paso und Dayton kündigte Donny großspurig Überprüfungen vor einem waffenkauf an. Mittlerweile nach Intervention der NRA gestrichen. Es Bedarf eines neuen Präsidenten und einer grundsätzlichen Änderung der Denkrichtung. Ich bezweifle das beides nie geschehen wird und meine Mitleidsschwelle ist deutlich reduziert.
touri 01.09.2019
4.
Und es wird wie immer nichts passieren, weder Obama konnte an der Stelle was machen und unter Trump?
Wigritz 01.09.2019
5. Verrückte dürfen keine Waffen in die Hand bekommen.
Der Geisteszustand eines jeden Waffenbesitzers muss regelmässig überprüft werden. Waffenkäufer müssen vorher eine Prüfung ablegen, in der auch auf psychische Auffälligkeiten getestet wird*. Das dürfte dann mit dem 2. Zusatz der Verfassung der USA in Einklang stehen. Betrunkenen Menschen, die in der Öffenlichkeit Waffen führen, gehören diese sofort entzogen. *Das empfehle ich auch für Deutschland.
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