Amoklauf von Texas "Seine Schwiegermutter bekam Drohnachrichten von ihm"

Devin Patrick Kelley hat in einer Kirche in Texas mindestens 26 Menschen erschossen. In der Gemeinde besuchte seine Schwiegermutter Gottesdienste - sie war von ihm bedroht worden. Was über den Täter bekannt ist.

Agenten des FBI vor der Baptistenkirche in Sutherland
AFP

Agenten des FBI vor der Baptistenkirche in Sutherland


Der Todesschütze von Texas, Devin Patrick Kelley, hat den Ort für das Massaker wohl bewusst gewählt. Laut den Ermittlern gibt es Hinweise auf ein familiäres Motiv. Der Schütze soll persönliche Beziehungen in die Gemeinde gehabt haben. Auch der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hält es für unwahrscheinlich, dass Kelley den Ort der Bluttat zufällig ausgewählt hat.

Welche Verbindungen gibt es in die Gemeinde?

Angeheiratete Familienmitglieder von Kelley sollen in der Vergangenheit Gottesdienste in der Baptistenkirche in dem Dorf Sutherland Springs besucht haben, sagte der örtliche Sheriff Joe Tackitt mehreren US-Sendern. Darunter sei auch Kelleys Ex-Frau gewesen. Zum Zeitpunkt der Tat seien die Familienmitglieder aber nicht anwesend gewesen.

Es gebe Hinweise, dass er wütend auf seine Schwiegermutter gewesen sei. "Wir wissen, dass seine Schwiegermutter Drohnachrichten von ihm bekommen hat", sagte Freeman Martin, ein Sprecher der texanischen Behörden. Die Tat sei nicht rassistisch oder religiös motiviert gewesen.

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Texas: Schüsse während der Andacht

Was ist über die Vorgeschichte des Schützen bekannt?

Devin Patrick Kelley hat nach Angaben der US-Luftwaffe auf einem Stützpunkt im Bundesstaat New Mexico gedient. Er wurde während dieser Zeit vorbestraft. Der heute 26-Jährige sei im Jahr 2012 von einem Militärgericht wegen Angriffen auf seine Frau und das gemeinsame Kind zu zwölf Monaten Haft verurteilt worden, sagte Ann Stefanek, eine Sprecherin der Air-Force. Zwei Jahre später sei er unehrenhaft aus der Luftwaffe entlassen worden.

Nach Darstellung der Behörden war Kelley nicht im Besitz einer Lizenz, um eine Waffe zu tragen. Das Gewehr und die beiden Pistolen, die in seinem Auto gefunden wurden, kaufte er demnach selbst.

Laut CBS News wurde Kelley von seiner ersten Frau geschieden und heiratete ein zweites Mal. Er lebte am Stadtrand von San Antonio, rund 50 Kilometer von dem 400-Einwohner-Dorf Sutherland Springs entfernt.

Welche Reaktionen gibt es aus dem Umfeld des Schützen?

Kelleys Onkel äußerte sich gegenüber NBC. Er sagte: "Ich hätte niemals gedacht, dass Devin zu solchen Dingen in der Lage wäre. (...) Meine Familie wird wegen seiner feigen Tat leiden. (...) Es tut mir so leid um die Opfer von Texas."

Wie reagieren die USA?

In Sutherland Springs lagen sich Menschen in den Armen und spendeten sich gegenseitig Trost. Menschen brachten Blumen an den Tatort. US-Präsident Donald Trump sprach von einem "teuflischen Akt" - und erteilte gleichzeitig der Debatte um schärfere Waffengesetze eine Absage.

US-Sängerin Kelly Clarkson befürchtet, dass die Menschen nach Schreckenstaten wie im texanischen Sutherland Springs schneller abstumpfen als früher. "Wir werden ja nicht gefühllos, aber wir kommen an einen Punkt, wo wir sagen: 'Na klar ist wieder etwas passiert. Was kommt als nächstes?'", sagte die aus Texas stammende Musikerin. Es sei gefährlich, wenn solche Vorfälle relativiert würden.

bbr/dpa/AFP/Reuters/AP

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