Geschlechtsangleichung soll »Kindesmissbrauch« sein Mitarbeiterin der Familienbehörde suspendiert – Klage gegen Texas' Gouverneur

Greg Abbott hält Behandlungen zur Geschlechtsangleichung bei Minderjährigen für »Kindesmissbrauch«. Gegen eine Mitarbeiterin der Familienbehörde wird deswegen ermittelt – doch sie setzt sich zur Wehr.
Familien protestieren in Austin gegen die Anweisung von Gouverneur Abbott: Anhörung in der kommenden Woche

Familien protestieren in Austin gegen die Anweisung von Gouverneur Abbott: Anhörung in der kommenden Woche

Foto: Bob Daemmrich / dpa

Der texanische Gouverneur, Greg Abbott, erregte Ende Februar mit einem Vorstoß Aufsehen: Es solle als »Kindesmissbrauch« eingestuft und untersucht werden, wenn Transgender-Kinder eine geschlechtsangleichende Behandlung erhalten. Kurz darauf ist eine Mitarbeiterin der Familienbehörde in dem US-Bundesstaat offenbar wegen dieser Anweisung freigestellt worden. Das berichten mehrere US-Medien, darunter NBC  und »Politico« .

Den Berichten zufolge hat die Frau eine transsexuelle Tochter, die Medikamente zur Geschlechtsangleichung erhält. Deswegen hätten die Behörden Ermittlungen gegen die Familie gestartet. Dagegen setzt sich die Frau mithilfe der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) zur Wehr.

Nachdem die Anweisung des Gouverneurs veröffentlicht worden war, habe die Frau das Thema bei der Arbeit angesprochen. Nur wenige Stunden später sei sie suspendiert worden, »weil sie eine transsexuelle Tochter hat, bei der eine Behandlung der Genderdysphorie medizinisch notwendig ist«, heißt es in der Klage  der Frau gegen Gouverneur Greg Abbott und die Familienbehörde. Abbotts Anweisung habe der Familie »Schaden zugefügt«. In der Klage wird ihm und der Behörde vorgeworfen, das Gesetzgebungsverfahren mit seiner Anweisung umgehen zu wollen und den Gleichheitsgrundsatz verletzt zu haben.

Ermittlungen gestoppt

Mittlerweile hat die Frau einen ersten Erfolg errungen: Ein Gericht stoppte das Ermittlungsverfahren gegen die Familie per einstweiliger Verfügung. Der Staat dürfe nicht weiter gegen die Familie vorgehen, bis am Freitag kommender Woche eine Anhörung stattgefunden habe, heißt es in der Entscheidung des Gerichts . In der Anhörung soll es demnach um die Umsetzung der Anordnung des Gouverneurs gehen.

»Wir werden alles tun, was möglich ist, um diesen Machtmissbrauch zu stoppen und sicherzustellen, dass transsexuelle junge Menschen die medizinisch empfohlene Behandlung erhalten können«, sagte ein Anwalt der ACLU nach der Entscheidung des Gerichts.

Kritik von Elliot Page

Gouverneur Abbott hatte seine Anweisung Ende Februar verschickt. Die Familienbehörde sei dafür verantwortlich, Kinder zu schützen, hieß es. Pädagogen, Mediziner und andere Personen, die einen »Missbrauch« nicht meldeten, müssten mit Konsequenzen rechnen. Kurz zuvor hatte Generalstaatsanwalt Ken Paxton in einer Stellungnahme bestimmte medizinische Behandlungen von transsexuellen Jugendlichen – darunter Hormonbehandlungen und Pubertätsblocker – als eine Form der Kindesmisshandlung bezeichnet.

Die Anweisung war auf viel Kritik gestoßen, auch von prominenter Seite. So hatte sich auch Schauspieler Elliot Page kritisch geäußert: »Ich bin entsetzt über die unmenschlichen und geradezu gefährlichen Erklärungen des texanischen Gouverneurs und Generalstaatsanwalts«, sagte Page dem Magazin »Variety« . Trans-Jugendliche verdienten es, geschlechtergerecht betreut zu werden. Ihnen müsse die Möglichkeit gegeben werden, so zu leben, wie sie wollten, ohne Angst haben zu müssen. Page ist transgender.

ptz/AFP