Grundschulmassaker in Texas Verdächtiger soll vor der Tat gedroht haben

Der 18 Jahre alte Salvador R. soll der Amokläufer von Uvalde sein. Seine Tat deutete er offenbar vorher im Internet an. Bundeskanzler Scholz und der Papst bekunden ihr Beileid. Der Überblick.
Menschen an einer Absperrung an der Grundschule in Uvalde: Sicherheitskräfte im Einsatz

Menschen an einer Absperrung an der Grundschule in Uvalde: Sicherheitskräfte im Einsatz

Foto: ALLISON DINNER / AFP

Erneut erschüttert ein Massaker an einer Schule die USA. Mehrere Kinder starben durch Schüsse. Politik und Prominente kritisieren erneut die laschen Waffengesetze in den Vereinigten Staaten. Der Überblick.

Was ist passiert?

Ein bewaffneter und mit einer Schutzweste bekleideter Mann betritt am Dienstag gegen 11.30 Uhr (Ortszeit) die Robb Elementary School im kleinen texanischen Ort Uvalde. Er trägt offenbar einen Rucksack und ein Gewehr bei sich. Obwohl zwei Polizisten versuchen, den Täter aufzuhalten, kann dieser mehrere Klassenräume der Grundschule betreten. Er erschießt mindestens 19 Schulkinder. Auch zwei Erwachsene kommen bei dem Anschlag ums Leben. Mehrere Polizisten werden verletzt. Die Polizei tötet den Schützen. Es ist bislang unklar, ob er zu den zwei genannten erwachsenen Todesopfern gezählt wird.

Später teilen die Behörden mit, der mutmaßliche Täter habe vor dem Massaker in der Schule auch auf seine Großmutter geschossen. Sie sei in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht worden. Der Täter soll mit einem Auto zur Grundschule gefahren und dort einen Unfall gebaut haben. Dann habe er die Schule betreten.

Wer sind die Opfer?

Mindestens 19 Grundschulkinder sind den Behörden zufolge tot. Ob alle bereits identifiziert wurden, ist unklar. Eltern warteten stundenlang vor dem Schulgebäude auf ihre Kinder. Eines der beiden erwachsenen Opfer ist laut Gouverneur Greg Abbott eine Lehrerin. CNN  berichtet, es handele sich um die Lehrerin einer vierten Klasse.

Was ist über den mutmaßlichen Täter bekannt?

Den Ermittlern zufolge soll Salvador R., ein 18-jähriger Highschool-Schüler aus der Umgebung, der Schütze sein. Er soll allein gehandelt haben. Ein Motiv für die Tat ist bislang nicht bekannt. Senator Roland Gutierrez zufolge hatte R. in den sozialen Medien Anschlagspläne angedeutet. Gutierrez sagte, dass der Schütze angedeutet habe, »dass die Kinder aufpassen sollten«, und dass er zwei »Angriffswaffen« gekauft habe, nachdem er 18 Jahre alt geworden sei. Ein Foto der Tatwaffen soll R. vor dem Massaker bei Instagram gepostet haben.

Foto auf Instagram: Salvador R. postete vor der Tat offenbar auch dieses Bild vom Magazin einer Waffe

Foto auf Instagram: Salvador R. postete vor der Tat offenbar auch dieses Bild vom Magazin einer Waffe

Foto: Salv8dor / dpa

Welche Schule ist betroffen?

Die Robb Elementary School steht in Uvalde, einem 25.000-Einwohner-Ort nahe San Antonio in Texas. Etwa 600 Schülerinnen und Schüler gehen dort zum Unterricht. Fast drei Viertel der Einwohner von Uvalde sind Latinos, das spiegelt sich auch an der Robb Elementary School wider. Die Schule bleibt nun vorerst geschlossen. Am Donnerstag hätten die Sommerferien begonnen.

DER SPIEGEL

Wie sind die Reaktionen?

US-Präsident Joe Biden prangerte in einer emotionalen Ansprache am Abend die grassierende Waffengewalt in seinem Land an, die er auf die laschen Waffengesetze schob. »Wann, in Gottes Namen, werden wir der Waffenlobby die Stirn bieten?«, fragte Biden. Es sei höchste Zeit, »diesen Schmerz in Taten zu verwandeln, für jeden Elternteil, jeden Bürger dieses Landes«. Er sei »angewidert und müde«, sagte Biden: »Ein Kind zu verlieren, ist, als würde ein Teil deiner Seele herausgerissen.«

Der texanische Gouverneur Greg Abbott sprach von einer »sinnlosen Tat«, einer »furchtbaren Tragödie, die im Staat Texas nicht geduldet werden kann«.

Bundeskanzler Olaf Scholz twitterte: »Schreckliche Nachrichten erreichen uns heute Morgen aus einer Schule in #Uvalde, #Texas. Unsere Gedanken sind bei den Verletzten und den Hinterbliebenen der Opfer dieses unfassbaren Massakers, für das sich kaum Worte finden lassen.« Sein Beileid gelte dem US-Präsidenten und den amerikanischen Freunden.

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Papst Franziskus zeigte sich ebenfalls erschüttert: »Mein Herz ist gebrochen nach dem Blutbad in der Grundschule in Texas«, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz: »Ich bete für die Kinder, für die toten Erwachsenen und für deren Familien.«

Auch Prominente meldeten sich zu Wort. Hollywoodstar Matthew McConaughey fordert mehr Einsatz im Kampf gegen Waffengewalt. »Dies ist eine Epidemie, die wir in den Griff bekommen können, und unabhängig davon, auf welcher parteipolitischen Seite wir stehen, wissen wir alle, dass wir es besser machen können. Wir müssen es besser machen«, schrieb der Oscarpreisträger auf Twitter.

NBA-Trainer Steve Kerr äußerte sich bei einer Pressekonferenz seines Teams. »Ich bin es so leid«, sagte der 56-Jährige, den Tränen nahe: »Ich bin es so leid, hier zu sitzen und den am Boden zerstörten Familien beste Wünsche zu übermitteln. Ich bin die Schweigeminuten so leid. Genug!«

DER SPIEGEL

Gab es schon ähnliche Fälle?

Attentate an US-Schulen gibt es immer wieder. Besondere Erschütterung hatte ein Massaker an einer Grundschule vor zehn Jahren ausgelöst: Im Dezember 2012 hatte ein 20-Jähriger an der Grundschule Sandy Hook um sich geschossen. Damals wurden 20 Schulkinder und sechs Lehrkräfte getötet. Am Valentinstag 2018 eröffnete ein 19-Jähriger mit einem halb automatischen Gewehr das Feuer auf Schüler und Lehrer seiner ehemaligen Schule in Parkland im Bundesstaat Florida, er tötete 17 Menschen.

Zudem hatte ein Amoklauf in einem Supermarkt vor wenigen Tagen Entsetzen ausgelöst. Ein Mann hatte mit einem Sturmgewehr in Buffalo im US-Bundesstaat New York zehn Menschen erschossen und drei weitere verletzt. Er wurde noch am Tatort festgenommen. Den Ermittlern zufolge war die Tat rassistisch motiviert – 11 der 13 Opfer waren schwarz.

Warum sind die Waffengesetze in den USA nicht schon verschärft worden?

US-Präsident Biden zeigt immer wieder mit dem Finger auf den US-Kongress, wenn es um strengere Waffengesetze geht. Viele Republikaner lehnen schärfere Regulierungen ab – die Waffenlobby ist in den USA sehr mächtig. Für weitreichende Gesetzesänderungen fehlen Bidens Demokraten die nötigen Stimmen im US-Senat. Der republikanische Senator Ted Cruz, der Texas im Senat vertritt, wirft den Demokraten vor, die Attacke in Uvalde zu »politisieren«, um das Recht auf Waffenbesitz einzuschränken.

ptz/dpa/AFP/AP