Thailand Mutmaßlicher kanadischer Kinderschänder festgenommen

Zugriff am frühen Morgen: Der weltweit gesuchte mutmaßliche Kinderschänder Christopher Paul N. ist in Thailand festgenommen worden. Zu den Vorwürfen schweigt er bisher. Bei einer Verurteilung drohen dem Kanadier bis zu 20 Jahre Haft.

Bangkok - "Bingo! Wir haben ihn!", sagte Polizei-Generalmajor Wimol Powintara nach der Festnahme des Verdächtigen in der Stadt Korat im Nordosten Thailands. N. werde vermutlich noch im Laufe des Tages aus der nordöstlichen Provinz Nakhon Ratchasima in die Hauptstadt Bangkok gebracht, hieß es.

Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen hat er sich bislang nicht geäußert. Er habe bisher lediglich seinen Namen, die Nationalität und sein Alter bestätigt, sagte ein Polizeisprecher. "Der Verdächtige schwieg", sagte ein Generalleutnant der Polizei, Pongsapat Pongcharoen. Zur Ergreifung habe ein Hinweis aus der Bevölkerung geführt. N. sei in einem Haus im Beisein eines 25-jährigen thailändischen Transvestiten gefasst worden. Dieser sei noch nicht von der Polizei verhört worden. Über die Beziehung der beiden zueinander sagte Pongsapat nichts.

Vorausgegangen war eine landesweite Fahndung nach dem Mann, der beschuldigt wird, in Vietnam und Kambodscha mehrere Jungen vergewaltigt zu haben. Der Kanadier hatte mehr als 200 Fotos von sich ins Internet gestellt, auf denen er kleine Jungen sexuell missbraucht. Zwar hatte er auf den Bildern sein Gesicht digital unkenntlich gemacht. Computerspezialisten des Bundeskriminalamtes war es jedoch gelungen, daraus ein Bild zu rekonstruieren, das dem Verdächtigen sehr ähnelte. Interpol hatte dann Anfang Oktober die Fotos im Internet veröffentlicht. Erste Aufnahmen des Gesuchten waren der deutschen Polizei bereits 2004 in die Hände gefallen.

Den thailändischen Ermittlern zufolge haben mehrere Opfer Christopher N. auf den Fahndungsfotos erkannt. Drei Jungen hätten angegeben, der Kanadier habe sie in einem Appartement in Bangkok zum Oralsex gezwungen. Zur Tatzeit seien die Jungen 9, 13 und 14 Jahre alt gewesen, teilte die Polizei mit. Sie hätten umgerechnet zwischen 7,75 und 15,50 Euro für ihre "Dienste" erhalten. Die Kinder hätten ihren Peiniger in Fernsehberichten erkannt.

Der thailändischen Polizei ist eigenen Angaben zufolge noch mindestens ein weiteres Opfer des Mannes bekannt. Dem Verdächtigen werden ähnliche Vergehen auch in Kambodscha und Vietnam zur Last gelegt. Einige der sexuell misshandelten Jungen sollen erst sechs Jahre alt gewesen sein.

Interpol zufolge war Christopher N. jahrelang als Sextourist um die Welt gereist. Er lebte zeitweise in Thailand und hat bis vor kurzem in Südkorea als Englischlehrer gearbeitet. In der vergangenen Woche floh er von Südkorea nach Thailand. Bei einer Verurteilung drohen N. bis zu 20 Jahre Haft.

ala/dpa/AP/Reuters/AFP