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Reemtsma-Entführer Drach: Hat er seinen Bruder erpresst?

Foto: Kay Nietfeld/ picture alliance / dpa

Thomas Drach Reemtsma-Entführer verweigert Blindfahrt ins Gericht

Aus Sicherheitsgründen sollte Reemtsma-Entführer Thomas Drach auf der Fahrt vom Gefängnis zum Gericht eine Schlafbrille aufsetzen - damit er den Weg nicht erkennt. Doch der Angeklagte weigerte sich. Nun soll er zwangsvorgeführt werden.

Hamburg - Der neue Prozess gegen Thomas Drach, den Entführer des Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma, ist zum Auftakt gleich unterbrochen worden - weil der Angeklagte die Anfahrt verweigerte. Der 51-Jährige hatte sich laut der Vorsitzenden Richterin Ulrike Taeubner nicht bereiterklärt, für den Transport eine Schlafbrille anzulegen und sich Handschellen anlegen zu lassen.

Drach sollte durch diese Maßnahmen den Weg vom Gefängnis zum Gericht nicht erkennen können. Taeubner ordnete die Zwangsvorführung des Angeklagten an. Dass Drach die Sicherheitsmaßnahmen nicht mitmachen wolle, sei keine ausreichende Entschuldigung für sein Fehlen, begründete die Richterin.

Die Sicherheitsanordnungen grenzten an "Menschenunwürdigkeit", sagte Drachs Anwalt Helfried Roubicek. Sein Mandant empfinde die Schlafbrille als "Schikane". Der Prozess findet unter strengsten Auflagen statt.

Die Staatsanwaltschaft wirft Drach vor, aus dem Gefängnis heraus einen Freund zur räuberischen Erpressung seines Bruders angestiftet zu haben. Justizbeamte fingen verdächtige Briefe ab und leiteten sie an das Landeskriminalamt weiter.

Die Große Strafkammer 11 des Landgerichts hat im aktuellen Fall insgesamt fünf Verhandlungstage bis Ende Oktober angesetzt. Die Anklageschrift umfasst 30 Seiten. Laut Staatsanwaltschaft sollte der Bekannte auf Anweisung des Angeklagten binnen sechs Monaten 30 Millionen Euro aus dem bis heute zum großen Teil verschwundenen Lösegeld aus der Reemtsma-Entführung erpressen.

"Wir legen insbesondere die Briefe so aus, dass sie eine strafbare Handlung darstellen", sagt der Hamburger Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Drach sehe sich offenbar um den seiner Einschätzung nach verdienten Lohn aus der Reemtma-Entführung gebracht. Nach Darstellung des Angeklagten solle sein Bruder Teile des Lösegeldes "zweckentfremdet" oder "verschwendet" haben.

Reemtsma war am 25. März 1996 auf seinem Grundstück entführt und 33 Tage lang als Geisel gehalten worden. Thomas Drach war nach Jahren der Flucht 1998 in Argentinien festgenommen und 2001 in Hamburg zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. In der Folge hatte sich seine Haftstrafe wegen zwei weiterer Verurteilungen um mehrere Monate verlängert. Wird Drach im aktuellen Prozess freigesprochen, ist er am 21. Juli 2012 ein freier Mann.

hut/dpa
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