Thomas Wolf festgenommen Polizei fasst meistgesuchten Verbrecher Deutschlands

Seine spektakuläre Flucht ist zu Ende: Nach acht Jahren ist der Schwerverbrecher Thomas Wolf der Polizei jetzt ins Netz gegangen. Einsatzkräfte fassten ihn auf der Hamburger Amüsiermeile Reeperbahn.


Hamburg - Um 18.30 Uhr erfolgte der Zugriff vor einem Lokal mitten in Hamburg, auf der berühmten Amüsiermeile Reeperbahn: Thomas Wolf, 56, der in ganz Deutschland gesuchte Schwerverbrecher, ist gefasst - nach acht Jahren auf der Flucht.

Ein Mitarbeiter des Führungs- und Lagedienstes der Hamburger Polizei bestätigte einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach Wolf am Donnerstagabend festgenommen wurde - Wolf habe keinen Widerstand geleistet, sagte der Polizeisprecher, wollte den Zielfahndern aber zunächst nicht mitteilen, ob er der Gesuchte sei. Der Nachweis gelang schließlich mit Hilfe des Bundeskriminalamtes.

Durch die umfassende öffentliche Fahndung hatte die "Soko Wolf" zuvor den entscheidenden Hinweis erhalten, dass der 56-Jährige in Hamburg unterwegs ist. Die sofortige Überprüfung dieses Hinweises habe die Fahnder zu dem seit Wochen gesuchten Gewaltverbrecher geführt, teilte die Polizei in Frankfurt mit. Sie habe ihn "auf der Reeperbahn auf offener Straße erkennen und in einem günstigen Moment widerstandslos festnehmen" können.

Wolf steht auf der Liste der meistgesuchten Kriminellen des Bundeskriminalamts ganz oben - auf seine Ergreifung ist die höchste Belohnung ausgesetzt: 100.000 Euro.

Schon früh begann er seine kriminelle Karriere mit Diebstählen, Körperverletzungen, Erpressungen und Raubüberfällen. Er kam in Haft, brach aber 1988 aus dem Gefängnis in Gütersloh aus. 1990 überfiel Wolf im hessischen Kelsterbach eine Bank und wurde erneut festgenommen.

Im Jahr 2000 kehrte er aus einem Hafturlaub nicht in das Gefängnis im nordrhein-westfälischen Moers zurück, wo er eine sechsjährige Restfreiheitsstrafe wegen des Bankraubs als Teil einer Gesamtfreiheitsstrafe von 21 Jahren verbüßte. In den Jahren danach war er so intensiv gesucht worden wie kaum ein anderer Krimineller in Deutschland.

Acht Jahre lang hatte der gebürtige Düsseldorfer unerkannt und unbehelligt in einem Mehrfamilienhaus im Frankfurter Westend gelebt. Seinen Lebensunterhalt bestritt er von der Beute eines Bankraubs in Hamburg, den er im April 2000 beging. Er besaß einen gefälschten niederländischen Pass und gab sich als David van Dijk aus. Er gilt als sportlich, ging regelmäßig schwimmen, stemmte Gewichte.

Auch seine Lebensgefährtin schöpfte nie Verdacht, um wen es sich bei ihrem Partner wirklich handelte.

Ende März 2009 soll Wolf die Frau eines leitenden Bankangestellten aus Wiesbaden entführt und versucht haben, 1,8 Millionen Euro Lösegeld zu erpressen. Er raste in einem Mietauto davon. Nach der Tat in Wiesbaden flüchtete Wolf durch ganz Deutschland: Am 31. März etwa stahl er laut Polizei in einem Parkhaus in Berlin zwei Paar Kennzeichen. In München hielt er sich nach Einkaufsbelegen vom 13. bis 16. April auf. Am 27. April war er in Bremen.

Bereits Anfang Mai wäre Wolf beinahe gefasst worden - damals fand die Polizei seinen festgefahrenen Fluchtwagen in einem Waldstück bei Delmenhorst in Niedersachsen. Der Zündschlüssel steckte noch. Per Fahrrad, das er möglicherweise ohne Sattel fuhr, gelang es Wolf damals, zu entkommen.

pad/AFP/AP/dpa



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