Katastrophe von Tianjin Stadt will Anwohner teilweise entschädigen

Mehr als eine Woche nach den Explosionen in einem Gefahrgutlager in Tianjin hat die Regierung Entschädigungen für die betroffenen Anwohner angekündigt. Unterdessen verbreiten sich immer mehr Chemikalien im Wasser.

Anwohner, die ihre Häuser in Tianjin verlassen mussten, protestieren während einer Pressekonferenz von Regierungsmitarbeitern
REUTERS

Anwohner, die ihre Häuser in Tianjin verlassen mussten, protestieren während einer Pressekonferenz von Regierungsmitarbeitern


Nach den Explosionen in der chinesischen Hafenstadt Tianjin mit 114 Toten sollen zumindest einige der Anwohner entschädigt werden. Die Stadtregierung will angeblich Apartments zurückkaufen, die bei dem Unglück beschädigt wurden. Das berichten chinesische Staatsmedien. Es ist allerdings noch unklar, für wen dieses Angebot gelten soll.

Zunächst sollen Experten die etwa 17.000 betroffenen Wohnungen begutachten. "Wenn die Arbeit getan ist, wird entschieden, welche Häuser abgerissen, neu gebaut oder zurückgekauft werden", sagte Tianjins stellvertretender Bürgermeister Zong Guoying.

In einem Gefahrgutlager der Firma Ruihai Logistik war es am 12. August nach einem Brand zu heftigen Explosionen gekommen, die in einem großen Umkreis Verwüstungen anrichteten. Etwa 3000 Tonnen gefährliche Chemikalien lagerten zum Zeitpunkt des Unglücks dort.

Die Aufräumarbeiten werden derzeit wegen starker Regenfälle behindert. Die Befürchtungen, das Wasser könne giftige Stoffe verbreiten, scheint sich zu bestätigen: In der Umgebung seien im Wasser dramatisch hohe Mengen Zyanide gefunden worden, teilte die örtliche Umweltbehörde mit. An einem Regenwasserrohr sei am Dienstag das 277-Fache der erlaubten Menge der hochgiftigen Blausäureverbindungen gemessen worden. Anderen Berichten zufolge soll der Zyanid-Gehalt des Wassers in unmittelbarer Nähe den Grenzwert sogar um das 350-Fache übersteigen.

Am selben Tag hatte die Gesundheitsbehörde der Stadt mitgeteilt, dass das Trinkwasser in Tianjin den nationalen Standards entspreche und unbedenklich sei.

Aufräumen im Regen: Hohe Zyanid-Werte gemessen
REUTERS

Aufräumen im Regen: Hohe Zyanid-Werte gemessen

Nach der Katastrophe hatten Ermittler mutmaßlich illegale Geschäfte der Betreiber des Lagers aufgedeckt. Laut Chinas staatlicher Nachrichtenagentur Xinhua sollen sie Genehmigungen erkauft und Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten haben. So war das Lager nur 560 Meter von Wohnblocks entfernt, obwohl 1000 Meter vorgeschrieben sind.

Das oberste Gremium der regierenden kommunistischen Partei forderte auf einer Sondersitzung am Donnerstag, alle Regierungs- und Verwaltungsebenen müssten die Sicherheitsbestimmungen in der Industrie durchsetzen und auf deren Einhaltung dringen. Laut der Umweltorganisation Greenpeace sollen weitere Firmen die Sicherheitsstandards nicht eingehalten haben.

gam/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 2 Beiträge
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neanderspezi 20.08.2015
1. Immerhin zeigen sich die zur Pressekonferenz angetretenen Demonstranten bis auf die Wortführer mit Megaphon schon mal mit Atemschutz
Die Behörden von Tianjin haben unter der Regie der Partei das Spiel auf Zeit eröffnet und sorgen mittels Entschädigungsankündigungen für die Anwohner des Katastrophengebiets für Ablenkung von einer sehr gefahrvollen Entwicklung im Hafengebiet und angrenzenden Wohnbereichen, nämlich der Verseuchungsgefahr durch hochkonzentrierte Blausäureverbindungen in stehenden und fließenden Gewässern und dem Versickern der Säuren in die Böden der engeren und weiteren Umgebung, deren Auswirkungen auf die Menschen im anstehenden Langzeitversuch nicht vorhergesagt, aber immerhin versuchsweise schon mal kleingeredet werden können. Hier hoffen die Behörden zweifellos auf verdünnende Wirkung bei der betroffenen Bevölkerung, sei es durch Einfluss von Zeit oder auch durch Gutachten, die geschickt formuliert eventuell deutlich erkennbare Auswirkungen gesundheitlicher Art auf ein Normalmaß herunterfrisieren und dadurch neutralisieren können. Möglicherweise dürfen zu den folgenden Ausfällen in der Bevölkerung keinerlei statistisch auswertbare Daten erhoben werden, wofür die Partei schuldbefreit durch entsprechende Androhungen zu sorgen versteht.
neanderspezi 20.08.2015
2. Immerhin zeigen sich die zur Pressekonferenz angetretenen Demonstranten bis auf die Wortführer mit Megaphon schon mal mit Atemschutz
Die Behörden von Tianjin haben unter der Regie der Partei das Spiel auf Zeit eröffnet und sorgen mittels Entschädigungsankündigungen für die Anwohner des Katastrophengebiets für Ablenkung von einer sehr gefahrvollen Entwicklung im Hafengebiet und angrenzenden Wohnbereichen, nämlich der Verseuchungsgefahr durch hochkonzentrierte Blausäureverbindungen in stehenden und fließenden Gewässern und dem Versickern der Säuren in die Böden der engeren und weiteren Umgebung, deren Auswirkungen auf die Menschen im anstehenden Langzeitversuch nicht vorhergesagt, aber immerhin versuchsweise schon mal kleingeredet werden können. Hier hoffen die Behörden zweifellos auf verdünnende Wirkung bei der betroffenen Bevölkerung, sei es durch Einfluss von Zeit oder auch durch Gutachten, die geschickt formuliert eventuell deutlich erkennbare Auswirkungen gesundheitlicher Art auf ein Normalmaß herunterfrisieren und dadurch neutralisieren können. Möglicherweise dürfen zu den folgenden Ausfällen in der Bevölkerung keinerlei statistisch auswertbare Daten erhoben werden.
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