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Hochstapler betrog reihenweise Frauen Mister Tinder

Shimon Hayut reist durch Europa und lernt junge Frauen im Internet kennen. Er betrügt sie zeitgleich und über Jahre und nimmt sie aus. Bis er einen Fehler macht.
aus DER SPIEGEL 3/2020
Reisender Hayut

Reisender Hayut

SPIEGEL: Was machen Sie beruflich?

Hayut: Ich bin ein seriöser Geschäftsmann.

SPIEGEL: Welche Geschäfte betreiben Sie?

Hayut: Mir gehören einige Unternehmen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

27 Tage später, Saal 305, Amtsgericht Tel Aviv. Es ist ein Dienstagvormittag Ende Oktober 2019.

Ob er sich erheben, eine Bitte äußern dürfe. Die Richterin nickt. Shimon Hayut steht auf. Der Staatsanwalt blickt von seinen Akten hoch. Das Geflüster verstummt. "Letzte Nacht hat sich ein Mithäftling vor meinen Augen umgebracht", sagt Hayut, "es ist eine Zumutung, dass ich eine Zelle mit elf anderen Insassen teilen muss. Bitte verlegen Sie mich in den Hausarrest."

Shimon Hayut ist blasser als auf den Fotos und Videos, die in den Medien und sozialen Netzwerken von ihm kursieren. Er hat kurze schwarze Haare, trägt Dreitagebart, eine orangefarbene Brille und ein weißes Poloshirt, auf dem "Fendi Roma" steht, eine italienische Luxusmarke. Wie eine Reverenz an sein Jetsetleben, von dem er schon träumte, als er ein paar Kilometer entfernt als Sohn eines Rabbis in einer ultraorthodoxen jüdischen Familie aufwuchs. Shimon Hayut, angeklagt wegen Scheckbetrug und Diebstahl, bekannt geworden als Tinder-Schwindler.

Hayut ist 29 Jahre alt, ein Leben, viele Identitäten. Er gab den Waffenhändler Mordechay Tapiro und den Diamantenhändler Simon Leviev. Er fuhr Ferrari, schlief in Fünfsternehotels, reiste in Privatjets und rekrutierte schöne Frauen mit Dating-Apps. Die Frauen verliebten sich, er nahm sie aus. Für seine Opfer ist Hayut kein Schwindler, er ist ein Krimineller.

Die Richterin lehnt seine Bitte ab. Hayut wird aus dem Saal geführt und ins Abu Kabir Detention Center gefahren, wo er in Untersuchungshaft sitzt. Er floh zweimal aus Israel, bevor ihm der Prozess gemacht werden konnte.

Zwei Jahre zuvor, im Herbst 2017, kam Katharina Benzen von der Arbeit zurück in ihre Altbauwohnung in Berlin-Charlottenburg. Sie legte sich auf die Eckcouch im Wohnzimmer und öffnete Tinder auf ihrem Smartphone. Die Dating-App zeigte ihr Männer an, die sich in der Nähe aufhielten. Gefiel ihr ein Mann, wischte sie sein Profilbild nach rechts. Gefiel sie ihm auch, konnten sie sich Nachrichten schreiben. Das nennt man "Match".

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