Tod durch Giftspritze Erstmals seit fünf Jahren Frau in den USA hingerichtet

Alle Proteste waren vergeblich: Im US-Bundesstaat Virginia ist die Todeskandidatin Teresa Lewis mit einer Giftspritze hingerichtet worden. Die Familienmitglieder der Opfer verfolgten die Prozedur als Zeugen.


Washington - Erstmals seit fünf Jahren ist in den USA wieder eine Frau hingerichtet worden. Die 41-jährige Teresa Lewis starb am Donnerstagabend um 21.13 Uhr (Ortszeit) in einem Gefängnis im Bundesstaat Virginia durch die Giftspritze, teilten die Gefängnisbehörden mit. Vor dem Greensville-Gefängnis demonstrierten rund 30 Menschen gegen die Todesstrafe und beteten für Lewis.

Gegen die Exekution gab es weltweit Proteste, weil der Geisteszustand der Frau nach Ansicht ihrer Anwälte an eine Behinderung grenzte. Mit einem IQ von maximal 72, je nach Gutachten, lag Lewis nur äußerst knapp über dem Wert, der eine Todesstrafe ausschließt.

Die Frau war wegen Mordes an ihrem Ehemann und Stiefsohn verurteilt worden. Sie hatte gestanden, im Oktober 2002 zwei junge Männer für die Tat angeheuert zu haben. Als die Schüsse fielen und ihr Mann langsam verblutete, hatte die Frau nebenan in der Küche seinen Tod abgewartet.

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Verurteilte Todeskandidatin: "Sagt Kathy, dass ich sie liebe"
Das Gericht sah Habgier als Motiv der Frau an, weil sie eine Lebensversicherung in Höhe von 250.000 Dollar (rund 191.000 Euro) kassieren wollte. Gezielt, so die Anklage, habe Lewis die späteren Mitverschwörer mit Sex und Geld gefügig gemacht.

Todesschützen kamen mit lebenslanger Haft davon

Lewis' Anwalt, James E. Rocap, hatte angeführt, dass die Strafe im Lichte neuer Erkenntnisse zu hart sei. Einer der Schützen habe später zugegeben, Lewis manipuliert zu haben, um seine eigenen Interessen durchzusetzen. "Wenn sie nicht der geistige Urheber des Verbrechens war - und mittlerweile ist klar, dass sie das nicht war - ist es sehr ungerecht, sie zum Tode zu verurteilen, während die beiden Schützen mit lebenslangen Haftstrafen davonkamen", schrieb Rocap an den Gouverneur. Der Täter, den Rocap als geistigen Vater der Tat bezeichnet, nahm sich 2006 im Gefängnis das Leben.

Es war die erste Exekution einer Frau in Virginia seit fast hundert Jahren und insgesamt die zwölfte seit 1976, als die USA die Todesstrafe wieder einführten. Virginia ist nach Texas der US-Bundesstaat, in dem die Todesstrafe seitdem am häufigsten vollstreckt wurde. Seit 1976 wurden in den USA elf Frauen hingerichtet, wohingegen mehr als 1200 zum Tode verurteilte Männer starben.

EU protestierte mehrfach gegen Vollstreckung

Die Vollstreckung wurde trotz massiver öffentlicher Proteste und insgesamt mehr als 7300 eingereichter Appelle weder vom Gouverneur des Staates, Bob McDonnell, noch vom Obersten Gerichtshof der USA gestoppt. Die Europäische Union hatte mehrfach versucht, die Hinrichtung aufzuhalten. Auch Prominente wie der Autor John Grisham sprachen sich gegen das Urteil aus.

Lewis' Stieftochter verfolgte ebenso wie Angehörige der Opfer die Exekution von einem Nebenraum aus. "Ich will, dass Kathy weiß, dass ich sie liebe und es mir sehr leid tut", sagte die Todeskandidatin, kurz bevor ihr der tödliche Cocktail verabreicht wurde.

kng/dpa/AFP/dapd



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Seite 1
brunokoch, 24.09.2010
1. .
Eine Frau wurde hingerichtet? Ja, schlimm. Aber wäre es besser, wenn ein Mann hingerichtet worden wäre?
iskin 24.09.2010
2. Tod durch Giftspritze
Eine Frau, die nachgewiesenermaßen nicht ganz richtig im Kopf ist, hinzurichten, das ist an Rückständigkeit und Brutalität nicht zu überbieten. Und diese Leute wagen es, sich über Zustände im Iran oder Saudiarabien aufzuregen! Was aber noch schlimmer ist, sie meinen, ihre Vorstellung of American way of life dem Rest der Welt aufzwingen zu müssen. Und wir machen auch noch mit! Widerwärtig!
Benjamin1965 24.09.2010
3. Ein mutiger Schritt
Zitat von sysopAlle Proteste waren umsonst: Im US-Bundesstaat Virginia ist die Todeskandidatin Teresa Lewis mit einer Giftspritze hingerichtet worden. Die Familienmitglieder der Opfer verfolgten die Hinrichtung als Zeugen. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,719252,00.html
Die Todesstrafe ist die einzige Strafe die fueer jden Menschen gleich ist. Die Anwaelte haben sicher alle Moeglichkeiten genutzt, um das Urteil in "lebenslaenglich" umzuwandeln. Scheinbar gab es doch Gruende, dies abzulehnen.
shaman1905 24.09.2010
4.
Zitat von Benjamin1965Die Todesstrafe ist die einzige Strafe die fueer jden Menschen gleich ist. Die Anwaelte haben sicher alle Moeglichkeiten genutzt, um das Urteil in "lebenslaenglich" umzuwandeln. Scheinbar gab es doch Gruende, dies abzulehnen.
Es gibt überhaupt keine Gründe für die Todesstrafe, gar keine. Wie absurd ist das denn? Ich töte einen Menschen, weil er getötet hat?! D.h., der eine muß dafür sterben, und für den anderen ist es "legal"?
ratbag 24.09.2010
5. .
Die selbstherrlichen selbsternannten Hüter von Moral, Freiheit, Recht und Demokratie haben mal wieder zugeschlagen und einen Mensch staatlich ermordet! Ist dort ja Routine.
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