Tod durch Giftspritze Texas richtet mutmaßlichen Behinderten hin

Im US-Bundesstaat Texas ist ein verurteilter Doppelmörder mit der Giftspritze hingerichtet worden. In letzter Minute war ein Antrag auf Aussetzung der Exekution abgewiesen worden - obwohl der Mann vermutlich geistig behindert war.

Huntsville - Der 32-jährige Milton Mathis starb am Dienstag in einem Gefängnis in Huntsville, Texas, durch die Giftspritze. Um 6.53 Uhr Ortszeit wurde er für tot erklärt. Kurz zuvor war eine letzte Eingabe beim Supreme Court gescheitert, weitere Beweise für die Feststellung seiner geistigen Behinderung zuzulassen.

Mathis soll 1998 an einem Drogenumschlagplatz in Fort Bend County, westlich von Houston, zwei Männer erschossen haben. Die damals 15-jährige Melony Almaguer verletzte er durch Schüsse so schwer, dass sie bis heute ab dem Hals gelähmt ist. Almaguer und ihr Ehemann wohnten der Hinrichtung bei. "Ich wollte Ihnen niemals wehtun", wandte sich Mathis in einer letzten Erklärung an sein Opfer. "Sie waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort."

Auch auf die Mutter von Almaguer hatte Mathis der Staatsanwaltschaft zufolge gezielt, allerdings ging ihm bei dem Angriff die Munition aus. Der Verurteilte plünderte demnach das Haus und steckte es dann in Brand. Einem Mitgefangenen soll er später anvertraut haben, dass er wünschte, er hätte sie "alle getötet".

Mathis soll einen IQ von 60 gehabt haben

Kurz vor Verabreichung des tödlichen Medikamentencocktails prangerte Mathis die Todesstrafe als "Massenschlachtung" an. "Dies ist ein Fehlurteil." Als Henkersmahlzeit ließ er sich zwei Texas-Burger, Schweinekoteletts, gebratenes Hähnchen, gebackenen Fisch, Fritten und Fruchtpunsch auftischen.

Der 32-Jährige war im Jahr 1999 verurteilt worden - drei Jahre bevor der US-Supreme Court verfügte, dass es verfassungswidrig sei, Insassen mit geistiger Behinderung zu exekutieren. Seitdem entgingen die meisten Gehandicapten einer Hinrichtung. Nur in Fällen wie bei Mathis, wo eine verzögerte Entwicklung nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, wurde weiter exekutiert. Seine Unterstützer hatten jahrelang dafür gekämpft, dass ihm die Todesstrafe erspart bleibt. Zwölf Jahre lang saß er im Todestrakt.

In der Regel gilt ein Intelligenzquotient von 70 und darunter als Indikator für eine geistige Behinderung. Zwar hatten Gutachter dem mehrfach sitzengebliebenen Mathis in mehreren Tests einen IQ von 60 und fehlende Grundfähigkeiten wie das selbständige Ankleiden bescheinigt. Dennoch wurde seine Hinrichtung nicht ausgesetzt.

Mathis' Tod per Giftspritze war die 23. Exekution in diesem Jahr in den USA und die sechste im Bundesstaat Texas.

ala/AP/Reuters/AFP