Tod eines Obdachlosen Gericht verurteilt 17-Jährige zu Bewährungsstrafen

Zusammen mit einem Komplizen soll ein Schüler aus Kamp-Lintfort einem Obdachlosen den Schädel zerschmettert haben. Weil nicht geklärt werden konnte, welcher der Jugendlichen zuschlug, wurden beide zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Trauer und Entsetzen: Hier starb der 51-jährige Obdachlose
dpa

Trauer und Entsetzen: Hier starb der 51-jährige Obdachlose


Moers - Ein 17-jähriger Schüler aus dem rheinischen Kamp-Lintfort ist am Montag vom Vorwurf des Mordes an einem schwerbehinderten Obdachlosen freigesprochen worden. Wie ein Sprecher des Landgerichts Kleve mitteilte, erhielten er und ein gleichaltriger Komplize ein Jahr Haft auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung. Das Gericht habe nicht eindeutig feststellen können, wer von beiden dem 51-Jährigen den Schädel zertrümmert habe.

Der grausame Mord auf einem Schwimmbadparkplatz in Kamp-Lintfort hatte im vergangenen Mai für Entsetzen gesorgt. Vier Jugendliche waren an dem Gewaltexzess beteiligt. Der Hauptangeklagte hatte die tödlichen Hiebe bestritten. Er sei mit dem Auto umhergefahren, in dem das Opfer lebte. Dabei habe sich der 51-Jährige hinten an den Wagen gehängt und sei gestürzt. Doch die Rechtsmediziner erklärten, der Obdachlose sei eindeutig mit einem kantigen Gegenstand erschlagen worden.

Die Polizei war den Jugendlichen auf die Spur gekommen, weil sie sich mit der Tat gebrüstet hatten. Bei der Polizei sagten die jungen Männer damals aus, dass sie den Obdachlosen aus Langeweile geärgert hätten. Der Obdachlose erlitt einen Trümmerbruch des Schädels und erstickte laut Obduktionsergebnis an seinem eigenen Blut. Passanten hatten die Leiche entdeckt.

"Der Grundsatz 'im Zweifel für den Angeklagten', gilt auch dann, wenn es wehtut", sagte der Vorsitzende Richter Johannes Huismann. Das Urteil in dem nicht-öffentlichen Prozess ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft sah den 17-Jährigen überführt und hatte neun Jahre Gefängnis wegen Mordes beantragt.

jus/dpa



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