Tod eines Streitschlichters "Um den Jungen tut es mir nicht leid"

Emeka Okoronkwo wollte zwei Frauen beschützen, als sie von Fremden bepöbelt wurden. Einer der Männer ging auf ihn los, tötete ihn mit einem einzigen Stich ins Herz. Das Landgericht Frankfurt hat den Täter nun zu mehr als neun Jahren Haft verurteilt.

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Hamburg - Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Emeka Okoronkwos Mutter das Schlusswort des Angeklagten Michael W. hätte anhören müssen. Es wäre für sie mehr als unerträglich gewesen. "Ich hab' an diesem Abend einfach Pech gehabt", sagte der 35-jährige Eritreer nach allen Plädoyers, bevor sich das Gericht zur Urteilsfindung zurückzog. Mehr nicht.

Das Landgericht Frankfurt verurteilte ihn am Montag zu neun Jahren und sechs Monaten Haft wegen Totschlags. Mit einem einzigen Messerstich hatte er am frühen Morgen des 2. Mai 2010 den Nigerianer Emeka Okoronkwo im Frankfurter Bahnhofsviertel getötet.

Michael W. hatte versucht, die Tat als Notwehrsituation zu schildern. Entsprechend hatte sein Verteidiger auf Freispruch plädiert: "Wenn es so war, wie er es schildert, dann war es Notwehr", hatte Manfred Hans in einem eher halbherzigen Plädoyer erklärt und sich eine Hintertür offengehalten: Im Falle einer Verurteilung, mit der er rechne, so Hans, müsse die Möglichkeit eines minderschweren Falles geprüft werden. Immerhin habe Okoronkwo seinem Mandanten das Jochbein zertrümmert.

Das stellte das Gericht am Montag auch nicht in Abrede, verwarf aber die Notwehrthese. Der Angeklagte habe in der Nacht zum 2. Mai 2010 mit einem Bekannten vor der Salsa-Discothek "Chango" zwei Frauen belästigt, sagte die Vorsitzende Richterin Bärbel Stock. Emeka Okoronkwo habe die Männer daraufhin angesprochen. Es sei eine Rangelei entstanden, in deren Folge Michael W. ein Messer gezückt und ohne Vorwarnung auf den Nigerianer eingestochen habe. Der 21-Jährige starb kurze Zeit später in einem Frankfurter Krankenhaus.

"Aus absolut nichtigem Anlass musste ein Mensch sterben und keiner weiß, warum dies geschehen ist", fasste Stock in der Urteilsbegründung die Tat zusammen. "Es wäre ein Leichtes für den Angeklagten gewesen, die Auseinandersetzung zu beenden und abzuziehen." Stattdessen habe er das Messer herausgeholt, als er von Okoronkwo "in zulässiger Weise" geschlagen worden sei. Wenn jemand in Notwehr gehandelt habe, dann sei es Okoronkwo gewesen, betonte die Richterin.

Auch seine Lügen bekam Michael W. von der Kammer vorgehalten: "Keiner der zahlreichen Zeugen hat das gesehen, was Sie uns hier immer wieder glauben machen wollten", sagte Stock. Besonders die Version, wonach das Tatmesser ursprünglich Okoronkwo besessen habe, entbehre jeder Grundlage. Okoronkwo sei kurze Zeit zuvor beim Einlass in das Tanzlokal von den Sicherheitsbediensteten durchsucht worden.

"Tat- und schuldangemessenes Urteil"

Die tödliche Auseinandersetzung hatte großes Aufsehen erregt: Emeka Okoronkwo hatte laut Augenzeugen mitbekommen, wie Michael W. und ein Kumpel zwei Frauen an einer Bushaltestelle in obszöner Weise bedrängten, bespuckten und bepöbelten - und sich prompt eingemischt.

Das Gericht musste während des Verfahrens unter anderem klären, inwieweit der 21-Jährige den tödlichen Streit selbst verursacht und nicht nur Zivilcourage gezeigt hatte. Im Prozess stellte sich heraus, dass die beiden belästigten Frauen bereits weggegangen waren, bevor es zum tödlichen Streit kam.

Emeka Okoronkwos Mutter war in dem Verfahren als Nebenklägerin aufgetreten. Ihr Rechtsanwalt Oliver Wallasch aus Frankfurt zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. Es sei "tat- und schuldangemessen".

In seinem Plädoyer hatte Wallasch den Angeklagten persönlich angesprochen, ihm versucht zu vermitteln, wie wichtig für seine Mandantin ein Wort des Bedauerns gewesen wäre.

So wandte sich Michael W. nach der Urteilsverkündung am Montag noch einmal - mit einem letzten Schlusswort - ans Gericht und sagte: "Es tut mir leid um die Mutter, um den Jungen tut es mir nicht leid."

Diese Demütigung blieb Emeka Okoronkwos Mutter erspart. Der Tod ihres Sohnes hat ihr bisheriges Leben zerstört, nur wenige Male schaffte es die 39-Jährige, den Gerichtssaal zu betreten und dem Mann gegenüberzutreten, der ihrem Kind das Leben nahm.

Einmal erlitt sie während der Verhandlung einen Zusammenbruch, stürzte auf Michael W. zu, musste von Justizbeamten zurückgehalten werden und brach schließlich weinend zusammen.

"Persönlichkeit geprägt durch Brutalität"

Die Staatsanwaltschaft hatte für Michael W. zwölf Jahre Haft wegen Totschlags gefordert. "Sie haben einem jungen Mann ohne Not das Leben genommen", sagte Staatsanwältin Miriam Zeidlewitz an den Angeklagten gerichtet. Die Version des Eritreers, er habe sich gegen Emeka Okoronkwo zur Wehr setzen müssen, verwarf auch sie. Okoronkwo selber habe sich stattdessen in einer solchen Situation befunden, als er auf den Angeklagten eingeschlagen habe. Schließlich sei er vom Angeklagten und seinem Begleiter bespuckt und geschlagen worden.

"Ihre Persönlichkeit ist durch Aggression und Brutalität geprägt", betonte Zeidlewitz, die daran erinnerte, dass dem Angeklagten auch die beiden eigenen Kinder vom Jugendamt weggenommen worden waren, weil er sie massiv misshandelt haben soll.

Michael W. habe ein "großes Gewaltproblem", deshalb komme auch keine Unterbringung in einer Alkohol- oder Drogeneinrichtung in Frage, so die Staatsanwältin. "Die Ursache der Tat liegt ausschließlich bei Ihrer fehlenden Akzeptanz gesellschaftlicher Regeln."

Nach seinen erniedrigenden Worten ließ sich Michael W. kommentarlos abführen.



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Seite 1
Markus Mobius 06.06.2011
1. Name des Taeters?
Zitat von sysopEmeka Okoronkwo wollte zwei Frauen beschützen, als sie von Fremden bepöbelt wurden. Einer der Männer ging auf ihn los, tötete ihn mit einem einzigen Stich ins Herz. Das Landgericht Frankfurt hat den Täter nun zu mehr als neun Jahren Haft verurteilt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,766890,00.html
Warum erfaehrt man eigentlich nicht den Namen des Verurteilten? Der Name des Opfers wird ja auch genannt.
Bala Clava 06.06.2011
2. Wieder so ein Bananentext*
Zitat von sysopEmeka Okoronkwo wollte zwei Frauen beschützen, als sie von Fremden bepöbelt wurden. Einer der Männer ging auf ihn los, tötete ihn mit einem einzigen Stich ins Herz. Das Landgericht Frankfurt hat den Täter nun zu mehr als neun Jahren Haft verurteilt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,766890,00.html
Wer ist hier Eritreer? Der Angeklagte oder das Opfer? * Reift erst beim Kunden.
jomarten, 06.06.2011
3. *
Zitat von sysopEmeka Okoronkwo wollte zwei Frauen beschützen, als sie von Fremden bepöbelt wurden. Einer der Männer ging auf ihn los, tötete ihn mit einem einzigen Stich ins Herz. Das Landgericht Frankfurt hat den Täter nun zu mehr als neun Jahren Haft verurteilt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,766890,00.html
Was hat denn der Richter diesmal strafmilderndes erkannt, daß er sich nicht dem geforderten Strafmaß anschließen mochte? Reue kann es ja wohl kaum gewesen sein. Grübel...
Bravofox 06.06.2011
4. Was für eine Republik ?
wou , so was gibt es nur in diesem unseren Lande . Für eine Tötung , ich schreibe dazu Mord nur ca 9 Jahre . Das heist praktisch für einen Mord 6 Jahre Haft . Gehts noch ! .
Emmi 06.06.2011
5. Warum nur 9 Jahre!?
Warum nur 9 Jahre!? Keine Reue, keine Einsicht, kein Schuldbewusstsein. Lebenslänglich!
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