Nach Tod von George Floyd Demonstranten sollen Polizisten beschossen haben

In Minneapolis eskalierte auch in der vierten Nacht nach dem Tod von George Floyd die Gewalt. Inzwischen sind mehr als 1700 Soldaten im Einsatz, es handelt sich um den größten Einsatz in der Geschichte der Nationalgarde.
Polizisten im Rauch von Minneapolis: Laut Gouverneur Tim Waltz wurden sie von Demonstranten beschossen

Polizisten im Rauch von Minneapolis: Laut Gouverneur Tim Waltz wurden sie von Demonstranten beschossen

Foto: John Minchillo/ AP

Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd ist bei einer Demonstration in Minneapolis offenbar auf Polizisten geschossen worden, das teilte Gouverneur Tim Walz mit. "Hier geht es nicht um Georges Tod. Hier geht es um Chaos", sagte Walz. Floyd war am Montag bei einem brutalen Polizeieinsatz ums Leben gekommen.

In Minneapolis galt nach tagelangen schweren Ausschreitungen eine nächtliche Ausgangssperre. Dessen ungeachtet gingen zahlreiche Demonstranten auf die Straße. Sie hielten Plakate mit Aufschriften wie "Hört auf, uns zu töten" oder "Ich kann nicht atmen" in die Höhe und forderten Gerechtigkeit für Floyd. In der Nacht auf Samstag zündeten Demonstranten erneut Feuerwerkskörper und griffen eine Polizeiwache an.

Es kam zu gewaltsamen Zusammenstößen, bei denen den Angaben von Walz zufolge auch auf Polizisten geschossen wurde. Die Polizei setzte ihrerseits Tränengas und Blendgranaten ein. An mehreren Orten wurden Geschäfte geplündert.

Nationalgarde entsendet weitere Einsatzkräfte

Angesichts der Lage verkündete die Nationalgarde die Entsendung weiterer Einsatzkräfte nach Minneapolis und in die Nachbarstadt Saint-Paul. Mehr als 1000 zusätzliche Nationalgardisten würden zur Verstärkung einberufen und die 700 Soldaten unterstützen, die wegen der Proteste bereits im Einsatz seien, erklärte die Nationalgarde von Minnesota am Samstag über Twitter. Es handle sich um den größten Einsatz der Einheit in ihrer 164-jährigen Geschichte, hieß es.

Gouverneur Tim Walz hatte zuvor in der Nacht zum Samstag eingeräumt, dass die bereits massiv verstärkten Sicherheitskräfte in den Städten Minneapolis und St. Paul angesichts der gewaltsamen Proteste immer noch überfordert seien. US-Präsident Donald Trump hatte das Pentagon zuvor aufgefordert, weitere Armee-Einheiten in Alarmbereitschaft zu versetzen.

Auch in anderen US-Städten kam es in der vierten Nacht in Folge zu Protesten, die vereinzelt in Gewalt ausarteten. In Atlanta griffen Demonstranten das Hauptquartier des Senders CNN an. Der Sender zeigte Livebilder aus der eigenen Zentrale, auf denen zu sehen war, wie Demonstranten von außerhalb Objekte auf Polizisten im Eingangsbereich des Senders warfen.

Das CNN-Headquarter in Atlanta wurde von Demonstranten angegriffen

Das CNN-Headquarter in Atlanta wurde von Demonstranten angegriffen

Foto: DUSTIN CHAMBERS/ REUTERS

Auch aus New York, Los Angeles, Dallas, Louisville und anderen Orten wurden Proteste gemeldet. Vor dem Weißen Haus in Washington versammelten sich ebenfalls Demonstranten. Einige von ihnen stießen Barrikaden um.

Am Samstagmorgen lobte US-Präsident Donald Trump via Twitter den Einsatz des Secret Service, falls Demonstranten über den Zaun des Regierungssitzes gekommen wären, hätten ihnen dort allerdings "boshafte Hunde und die bedrohlichsten Waffen" gedroht. Dann wären sie "mindestens schwer verletzt" worden, schrieb Trump. Der US-Präsident sprach von "sogenannten Demonstranten" und bezeichnete sie als "organisierte Gruppierungen", die nichts mit George Floyd zu tun hätten.

Journalisten kommen zwischen die Fronten

In Minneapolis kamen Journalisten zwischen die Fronten. Ein CNN-Team um den - schwarzen - Reporter Omar Jimenez wurde vor laufenden Kameras festgenommen, doch wieder freigelassen. Ein weißer CNN-Kollege in der Nähe blieb unbehelligt. Gouverneur Walz entschuldigte sich - bei dem Sender und allen Journalisten: "Das ist unverzeihlich", sagte er.

Floyd war am Montag bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis gestorben, nachdem ein weißer Polizist ihm minutenlang sein Knie in den Nacken gedrückt hatte. Ein Video des Vorfalls löste weltweit Entsetzen aus. Am Freitag wurde der Polizist festgenommen, der bei der brutalen Aktion fast neun Minuten auf Floyds Nacken gekniet hatte. Ihm wird Totschlag und fahrlässige Tötung vorgeworfen. Doch ein Ende der Demonstrationen hatte das nicht zur Folge. Floyds Familie begrüßte die Festnahme als einen "Schritt auf dem Weg zur Gerechtigkeit". Sie fordert jedoch eine Anklage wegen Mordes statt wegen Totschlags.

Floyds Anwälte zweifeln darüber hinaus an den Ergebnissen der Obduktion. Im Haftbefehl gegen einen beteiligten Polizeibeamten heißt es, nach vorläufigen Erkenntnissen sei Floyd nicht erstickt. Stattdessen habe der 46-Jährige an Gesundheitsproblemen gelitten, die in Verbindung mit der Festsetzung und möglichen Rauschmitteln im Blut vermutlich zum Tod geführt hätten.

Floyds Anwälte kündigten nach einem Bericht des Fernsehsenders ABC an, bei einem bekannten Gerichtsmediziner eine eigene Untersuchung in Auftrag zu geben. Man habe bereits in anderen Fällen gesehen, dass Menschen, die mit den Behörden zusammenarbeiteten, Dinge präsentierten, die eine "Illusion" seien.

hba/oka/AFP
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