Todesdrama in England Schwester und Freund hielten Bruder für Hexer

Der 15-jährige Kristy musste sterben, weil seine Schwester und ihr Freund ihn für einen Hexer hielten. Sie töteten den Teenager im Dezember 2010 auf bestialische Art und Weise. Jetzt müssen sie sich vor dem Zentralen Strafgerichtshof verantworten.


London - Der Horror spielte sich in einer abgeschlossenen Wohnung im achten Stock ab. Er dauerte vier Tage lang. Es war an Weihnachten 2010. Die eigene Schwester und ihr Freund, beide 28-Jahre alt, quälten den 15-jährigen Kristy zu Tode. Weil sie glaubten, dass in ihm etwas war, was sie austreiben mussten: Eine dunkle Macht. Nun müssen sich beide wegen Mordes vor Gericht verantworten.

Die Gerichtsmediziner zählten 101 Verletzungen an Kristys Körper. Seine Schwester und ihr Freund hatten ihn geschlagen und immer wieder in der Badewanne unter kaltes Wasser getaucht. Sie benutzten für ihre exorzistischen Praktiken auch Folterwerkzeuge wie Zangen, Fliesen, Hammer und Stemmeisen.

Das Täter-Paar war laut Berichten der "Daily Mail" besessen von dem Gedanken, dass der Junge verhext war. In einem "atemberaubenden Akt der Sittenlosigkeit und Grausamkeit", wie es die Richter bezeichneten, zwangen sie sogar die zwei kleinen Brüder und zwei Schwestern - zwischen elf und 22 Jahren alt - sich an den Attacken auf Kristy zu beteiligen. Auch die beiden Mädchen wurden schwer verletzt.

Eigentlich leben die Geschwister allesamt in Paris. Von ihren Eltern wurden sie nach London geschickt, um dort die Feiertage bei der Schwester zu verbringen. Staatsanwalt Brian Altman betonte gegenüber der "Daily Mail", dass die Angeklagten für "unaussprechliche Grausamkeiten" verantwortlich seien. Ursprünglich kommt die Familie aus dem Kongo, wo, so Altman, der Hexenglaube "Kindoki" in der gesamten Gesellschaft verwurzelt sei.

Manch religiöse Anführer dort würden sogar die Bevölkerung dazu ermutigen, durch Fasten und durch Waschen Exorzismus von Kindern auszutreiben. Altman glaubte, dass das Duo aus dieser Motivation heraus die Tat beging. Während in Afrika jedoch religiöse Führer über das "Kindoki"-Prozedere wachen, kam es hier offenbar zu einer Eskalation des Geschehens.

Als schließlich Sanitäter in der Wohnung eintrafen, lagen blutüberströmte Kleidungsstücke und Metallstangen, Zangen und Messer herum. Die Täter behaupteten, der Teenager sei in der Badewanne ertrunken. Auf dem Körper aber waren etliche Wunden. Auch einige seiner Zähne fehlten. Vor Gericht stellte sich heraus, dass neben Kristy auch die anderen Kinder schwerste Misshandlungen zu erleiden hatten.

Besonders dramatisch: Dutzende Male telefonierten nicht nur die Täter mit Paris, um den Eltern zu erklären, dass ihre Kinder Hexer wären. Auch der Junge flehte seinen Vater an, ihn abzuholen, da sie ihn töten wollten. Dieser glaubte ihm jedoch nicht. Schließlich kamen die Eltern am 27. Dezember doch nach London. Da war Kristy schon tot.

Das Paar bestreitet vor Gericht den Mord und macht "Schizophrenie" geltend. Das Verfahren wird fortgesetzt.

nga



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