Todesfall im Hambacher Forst NRW-Innenminister gibt falsche Darstellung zu

Im Hambacher Forst stürzte ein freier Journalist zu Tode. Laut NRW-Innenminister Reul reagierten Aktivisten darauf mit Schmähgesängen. Doch nach SPIEGEL-Informationen standen die Rufe in anderem Zusammenhang.
Absperrung im Hambacher Forst

Absperrung im Hambacher Forst

Foto: Oliver Berg/ dpa

Nach dem tödlichen Unfall des freien Journalisten Steffen Meyn im Hambacher Forst hat der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) Fehler bei der Aufarbeitung eingestanden. Meyn stürzte am 19. September von einer rund 15 Meter hohen Holzbrücke und starb an seinen Verletzungen.

Reul behauptete im Landtag, dass kurz nach dem Unglück Umweltaktivisten in einem Baumhaus über der Unfallstelle Schmähgesänge angestimmt hätten. Demnach sollen sie im Zusammenhang mit Meyns Absturz "Scheiß drauf, Räumung ist nur einmal im Jahr!" skandiert haben. Reul erweckte den Eindruck, die Aktivisten hätten den Journalisten verhöhnt.

Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, wurde der Gesang "Scheiß drauf..." zwar an jenem Tag von Aktivisten angestimmt. Allerdings nicht in der Nähe des Unglücksorts - und auch nicht im Zusammenhang mit Meyn. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL .)

Das Innenministerium räumt auf Anfrage ein, dass die Worte "Scheiß drauf..." nicht von Personen aus einem Baumhaus unmittelbar über der Unglücksstelle skandiert worden sind. Reul sei während seines Berichts im Landtag "spontan von seinem Sprechzettel abgewichen", teilt ein Ministeriumssprecher mit. Es handle sich "offenbar um ein Missverständnis", das der Minister bedauere. "Es lag ihm jedoch fern, das Geschehen zusätzlich zu dramatisieren."

Im Streit um den Hambacher Forst hatte das Oberverwaltungsgerichts Münster in der vergangenen Woche einen Rodungsstopp verhängt. Der Energiekonzern RWE will gut 100 von den verbliebenen 200 Hektar des Waldes für den fortschreitenden Tagebau abholzen, Umweltaktivisten wollen das verhindern. Nach der Gerichtsentscheidung kündigte der Konzern an, dass das Waldgebiet vorerst weiterhin öffentlich zugänglich bleibt.

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