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24. März 2015, 22:12 Uhr

Ex-Todeskandidatin Milke

"Hatte nichts mit Mord an meinem Sohn zu tun"

Mehr als 20 Jahre hatte die gebürtige Berlinerin Debra Milke im Todestrakt eines US-Gefängnisses verbracht. Nach ihrem endgültigen Freispruch meldete sie sich nun erstmals zu Wort.

Phoenix - Nach einem jahrzehntelangen Rechtsstreit um die Freilassung der ehemaligen US-Todeskandidatin Debra Milke hat sich die gebürtige Berlinerin öffentlich zu ihrem Fall geäußert. "Ich hatte absolut nichts mit dem brutalen Mord an meinem Sohn Christopher zu tun", sagte Milke am Dienstag während einer Pressekonferenz in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona.

"Ein Kind durch einen Mord zu verlieren, ist eine schreckliche Tragödie mit unbeschreiblichem Leid, das keinen Eltern jemals widerfahren sollte", sagte Milke, die immer wieder Tränen unterdrückte. "Es ist die größte überhaupt vorstellbare Form von Schmerz, der die Seele verbrennt." Einzig eines solchen Mordes beschuldigt zu werden, sei gleichermaßen schlimm.

Ihr war vorgeworfen worden, 1989 zwei Männer dazu angestiftet zu haben, ihren vierjährigen Sohn in der Wüste zu töten. Das Todesurteil gegen die heute 51 Jahre alte Frau wurde gekippt, weil das Revisionsgericht urteilte, dass die Aussage eines Polizisten nicht verwertet werden könne.

Milke hatte dem Beamten gegenüber angeblich ein Geständnis abgelegt - allerdings gab es weder ein unterschriebenes Protokoll noch eine Tonaufnahme. Die damaligen Geschworenen erfuhren auch nicht, dass der Polizist bereits wegen Falschaussage unter Eid aufgefallen war.

Schwere Vorwürfe an die Justiz

Der Justiz machte Milke schwere Vorwürfe: Sie habe immer daran geglaubt, dass ihre Unschuld bewiesen würde. "Ich habe nur nicht gedacht, dass es 25 Jahre, drei Monate und 14 Tage dauern würde, um so einen eklatanten Justizirrtum zu berichtigen", sagte Milke.

Milke dankte ihren Rechtsanwälten, die jahrelang für die Freilassung der insgesamt 24 Jahre - davon 22 Jahre im Todestrakt - inhaftierten Milke gekämpft hatten. Vor zwei Jahren war sie gegen Kaution aus dem Gefängnis freigekommen.

Die Staatsanwaltschaft von Arizona klagte die Tochter einer Deutschen und eines US-Bürgers aber zum zweiten Mal an und erklärte, erneut die Todesstrafe zu fordern. Ein Berufungsgericht in Arizona hob die Anklage aber wieder auf, weil laut US-Recht niemand für dasselbe Verbrechen zweimal vor Gericht gestellt werden dürfe. Am Montag entschied ein Gericht schließlich, das Verfahren wegen der Ermordung ihres kleinen Sohnes endgültig einzustellen.

US-Medienberichten zufolge reichte Milke Zivilklage gegen die verantwortlichen Behörden ein und könnte einen hohen Schadenersatz erstreiten. Die beiden Männer, die den Mord ausgeführt haben sollen, sind weiter im Todestrakt. Ein Termin für ihre Hinrichtung steht nicht fest.

loe/sun/dpa/AP/AFP

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