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27. Juni 2007, 12:39 Uhr

Todesschuss

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Polizisten

Einen Tag nach dem tödlichen Schuss eines Hamburger Zivilfahnders auf einen unbewaffneten Autofahrer hat sich jetzt die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Bislang gehen die Ermittler von einem Unglücksfall aus.

Hamburg - Es sei nun zu prüfen, so Staatsanwaltschafts-Sprecher Rüdiger Bagger heute, ob dieser Unglücksfall vorhersehbar und vermeidbar gewesen sei und ob sich der Polizist ordnungswidrig verhalten habe.

Wenn das Verhalten des Beamten sich als ordnungswidrig herausstelle und der Schuss vermeidbar gewesen wäre, sei er der fahrlässigen Tötung schuldig, sagte Bagger. Zunächst müssten nun die Umstände untersucht und abgeklärt werden. "Es war ein sehr merkwürdiger Einschuss durch die Lehne in den Rücken, wohl in die Leber", sagte Bagger. Auch sei die Polizei mit mehreren Personen vor Ort gewesen, während zwei Leute in einem Auto saßen und niemanden angegriffen hätten.

In der Nacht auf Dienstag hatte ein Zivilfahnder in der Hamburger Innenstadt einen unbewaffneten 27-Jährigen erschossen. Der tödliche Schuss löste sich aus seiner Dienstwaffe, als er mit sechs weiteren Polizisten zwei Insassen eines britischen Autos wegen des Verdachts der Manipulation von Geldautomaten kontrollieren wollte. Es gab zunächst keinen Hinweis auf Notwehr, da der Tote und sein Begleiter unbewaffnet waren.

Der 31-jährige Beifahrer, der ebenso wie der Tote Rumäne ist, wurde vorläufig festgenommen. Im Fahrzeug wurden mehrere gefälschte Scheckkarten sowie rund 700 Euro Bargeld gefunden. Der Beamte, der geschossen hatte, konnte zunächst nicht vernommen werden, da er unter Schock stand. Der 50-Jährige gilt als erfahrener Polizist.

jdl/AP

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