Jahresbericht von Amnesty International Mehr Todesurteile, weniger Hinrichtungen

Die Zahl der Todesurteile weltweit ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen - das berichtet Amnesty International. Hintergrund seien vor allem Massenverurteilungen in Ländern wie Ägypten oder Nigeria.

Hinrichtungskammer in Lucasville, Ohio (Archiv): 35 Todesurteile wurden 2014 in den USA vollstreckt
AFP

Hinrichtungskammer in Lucasville, Ohio (Archiv): 35 Todesurteile wurden 2014 in den USA vollstreckt


Die Zahl der Todesurteile hat 2014 deutlich zugenommen. Weltweit wurde laut Amnesty International im vergangenen Jahr 2466-mal die Todesstrafe verhängt - ein Anstieg von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr (1925).

Die höhere Zahl ist laut Amnesty vor allem die Folge aus Massenverurteilungen im Zusammenhang mit landesinternen Konflikten und politischer Instabilität - etwa in Ägypten und Nigeria. "Eine Reihe von Staaten setzte 2014 auf die Todesstrafe, um innerstaatliche Konflikte oder terroristische Bedrohungen zu bekämpfen", heißt es in einer Mitteilung der Menschenrechtsorganisation.

Pakistan kehrte nach dem Angriff der Taliban auf eine Schule in Peschawar zur Todesstrafe zurück. Die Regierung kündigte die Hinrichtung Hunderter Gefangener an, die wegen terroristischer Straftaten verurteilt worden waren.

"Gerade in einem Jahr, in dem wir abscheuliche Hinrichtungen durch bewaffnete Gruppen wie den 'Islamischen Staat' miterleben mussten, ist es beschämend, dass einige Staaten die Todesstrafe als Mittel gegen Terrorismus rechtfertigen", sagt Oliver Hendrich, Vorstandssprecher von Amnesty International in Deutschland.

Die Zahl der registrierten Hinrichtungen ging den Angaben zufolge allerdings zurück. Die Menschenrechtsaktivisten kamen auf weltweit mindestens 607 Hinrichtungen; 2013 waren es noch mindestens 778. Die tatsächlichen Zahlen dürften jedoch deutlich höher liegen.

Iran richtete nach China die meisten Menschen hin

Wie in den vergangenen Jahren fehlen in den Statistiken Zahlen für China, wo genauere Angaben zu Hinrichtungen als Staatsgeheimnis behandelt werden. Amnesty gibt für die Volksrepublik nicht einmal Schätzungen bekannt. In dem Bericht heißt es dazu nur: "China hat wieder mehr Hinrichtungen ausführen lassen als der Rest der Welt zusammen."

Nach letzten Schätzungen der amerikanischen Dui-Hua-Stiftung in San Francisco, die über gute Beziehungen in die chinesische Justiz verfügt, wurden 2013 in der Volksrepublik vermutlich etwa rund 2400 Menschen hingerichtet. Für 2014 gibt es noch keine Daten. Der Dui-Hua-Vorsitzende John Kamm sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Nach meinem Eindruck dürfte sich die Zahl auf dem Niveau von 2400 stabilisiert haben."

Insgesamt vollstreckten dem Amnesty-Bericht zufolge 22 Staaten Todesurteile - etwa halb so viele wie noch vor 20 Jahren. Hinter China auf Platz zwei der Liste liegt wieder Iran. Dort wurden mindestens 289 Menschen gehängt. Es folgen Saudi-Arabien mit 90 Hinrichtungen, der Irak (61) und die USA (35).

In mehreren Ländern konnten die Menschenrechtsaktivisten nur sehr wenige Informationen über Hinrichtungen erlangen - so zum Beispiel in Nordkorea oder Malaysia. Ob in Syrien gerichtlich angeordnete Hinrichtungen vollzogen wurden, konnte Amnesty International eigenen Angaben zufolge ebenfalls nicht feststellen.

Sehen Sie hier die Zahlen auf der Weltkarte im Überblick. Klicken Sie auf die eingefärbten Länder.

Todestrafe weltweit: Urteile und Hinrichtungen 2014
"+" bedeutet: Todesurteile wurden verhängt oder vollstreckt. Daten genügen nicht für konkrete Zahlen.
">" bedeutet: Mindestwert. Laut Amnesty International liegt die tatsächliche Zahl wahrscheinlich höher.

hut/dpa



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