Trotz Bitte des Verurteilten Muslim in den USA ohne Beistand eines Imams hingerichtet

Domineque Ray ist in den USA wegen Mord und Vergewaltigung an einer Jugendlichen hingerichtet worden. Sein Wunsch nach geistlichem Beistand in der Todeskammer wurde abgelehnt.

Domineque Ray
AFP/ Alabama DoC

Domineque Ray


Im US-Bundesstaat Alabama ist ein muslimischer Mann wie ursprünglich geplant hingerichtet worden, nachdem der Supreme Court mit 5:4 für dessen Todesstrafe gestimmt hat. Die Bitte des 42-Jährigen nach einem Imam als geistlichen Beistand während der Hinrichtung lehnten die Richter ab. Über die Gründe der Entscheidung ist bislang nichts bekannt.

Die Anwälte des nun getöteten Domineque Ray hatten zuvor argumentiert, dass die Praxis der Todesstrafe in Alabama christliche Häftlinge bevorzugt. Kaplane dürfen dort Verurteilten im Hinrichtungsraum beistehen, muslimische Geistliche und Vertreter anderer Religionen können die Gefangenen hingegen nur bis zur Tür begleiten.

Imam im Zeugenraum

Ein Berufungsgericht in Atlanta verschob deshalb noch den Zeitpunkt der Hinrichtung. Die Richter verwiesen auf die Religionsfreiheit. Laut dem ersten Zusatzartikel der US-Verfassung darf der Staat einzelne Religionen nicht bevorzugen.

Die Justizbehörden im Bundesstaat Alabama legten dagegen jedoch Berufung vor dem Supreme Court ein. Ihr gaben die Richter am Obersten Gerichtshof der USA statt. Am Donnerstagabend um 22.12 Uhr sei Ray nun getötet worden, teilte die Strafvollzugsbehörde mit. Der Nachrichtenagentur AP zufolge verfolgte Rays Imam die Hinrichtung von einem angrenzenden Zeugenraum aus. Er hatte demnach die letzten zwei Tage mit Ray verbracht.

Hinrichtungen seit 1976

Ray war wegen der Vergewaltigung und Ermordung der 15-jährigen Tiffany Harville im Jahr 1995 zum Tode verurteilt worden. Der Mann, der während seiner Haftzeit zum Islam konvertiert war, verlangte deshalb, dass ihn ein muslimischer Geistlicher in die Todeskammer begleitet.

Video: Todesstrafe in den USA

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apr/Reuters/AP



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