Nach 32 Jahren im Todestrakt Tennessee exekutiert verurteilten Mörder auf elektrischem Stuhl

Stephen West wurde 1987 für den Mord an einer Frau und einem Mädchen verurteilt. Er bestritt die Tat - dennoch wurde der 56-Jährige im US-Bundesstaat Tennessee hingerichtet. Seine letzten Worte galten Gott.

Elektrischer Stuhl in Nashville, Tennessee (Archivbild): "Nicht verfassungsgemäß, aber dennoch weniger schmerzhaft"
AP

Elektrischer Stuhl in Nashville, Tennessee (Archivbild): "Nicht verfassungsgemäß, aber dennoch weniger schmerzhaft"


Der US-Bundesstaat Tennessee hat ein Todesurteil gegen einen verurteilten Doppelmörder vollstreckt. Der 56 Jahre alte Stephen West starb auf dem elektrischen Stuhl.

Es ist die zweite Hinrichtung in Tennessee in diesem Jahr und die elfte in den USA. Tennessee setzt als einer der wenigen US-Bundesstaaten den elektrischen Stuhl ein. Im vergangenen Jahrzehnt war dies nur noch in Virginia Praxis.

Eine Jury hatte Stephen West im Jahr 1987 unter anderem zweier Morde schuldig gesprochen. Ein Jahr zuvor tötete West demnach Sheila Romines und ihre Mutter Wanda in Lake City, einer Kleinstadt in Tennessee.

Stephen West im Januar 2019: Der 56-Jährige ist in Tennessee hingerichtet worden
Tennessee Department of Corrections/REUTERS

Stephen West im Januar 2019: Der 56-Jährige ist in Tennessee hingerichtet worden

West war damals 23 Jahre alt. Laut dem Urteil fuhren sein Freund und er nach Feierabend umher und tranken Alkohol. Sie hielten vor dem Haus der Familie Romines und warteten, bis der Vater des späteren Opfers Sheila das Haus verließ. Sheila hatte zuvor in der Schule Avancen von Wests Komplizen zurückgewiesen.

Sie klopften an der Tür, Sheila ließ die beiden hinein. Dann vergewaltigten sie die 15-Jährige und erstachen das Mädchen und ihre Mutter anschließend. Die Täter wurden am nächsten Tag festgenommen.

Wests Komplize gestand und wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er war zur Tatzeit 17 Jahre alt - nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes ist die Todesstrafe für Täter unter 18 Jahren ausgeschlossen.

Hinrichtungen seit 1976

West bestritt, die Morde begangen zu haben. In seinem Gnadengesuch führte er eine Audioaufnahme aus dem Gefängnis an, in der sein Komplize gesagt haben soll, er und nicht West habe die Morde begangen. Doch ein Gericht entschied, die Aufnahme gebe nur unbestätigtes Hörensagen wieder, das West nicht entlaste.

West selbst hatte um den elektrischen Stuhl für seine Hinrichtung gebeten. Sein Anwalt bezeichnete die Methode als "nicht verfassungsgemäß, aber dennoch weniger schmerzhaft". Als Alternative wäre West nur eine Giftspritze geblieben, die unter anderem Midazolam enthält. Das Beruhigungsmittel ist umstritten: Es kam bei mehreren Hinrichtungen zum Einsatz, die in einem langen und qualvollen Tod endeten.

Vor seiner Hinrichtung sagte West: "Am Anfang erschuf Gott den Menschen." Dann kamen West die Tränen und er sagte: "Und Jesus weinte. Das ist alles." Er wurde um 19.27 Uhr (Ortszeit) für tot erklärt.

jpz/Reuters/AP



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