Beim fünften Termin Texas exekutiert wegen Mordes an einer Studentin verurteilten Mann

Texas richtete seit 1976 so viele Menschen hin wie kein anderer US-Bundesstaat. Nun ist ein weiterer Mann hinzugekommen: Er soll eine Studentin umgebracht haben - beteuerte bis zuletzt aber seine Unschuld.

Larry Swearingen: "Herr, vergib ihnen. Sie wissen nicht, was sie tun."
Texas Dept of Criminal Justice/Handout via REUTERS

Larry Swearingen: "Herr, vergib ihnen. Sie wissen nicht, was sie tun."


Larry Swearingens letzte Worte waren einem Sprecher der texanischen Justiz zufolge: "Herr, vergib ihnen. Sie wissen nicht, was sie tun." Der 48-Jährige war wegen Vergewaltigung und Mordes an einer 19-jährigen Studentin 1998 zu Tode verurteilt worden, beteuerte aber bis zuletzt seine Unschuld. Dennoch haben die Strafvollzugsbehörden Swearingen nun hingerichtet.

Gegen Swearingen waren seit dem Urteil im Jahr 2000 insgesamt fünf Hinrichtungstermine angesetzt worden. Am Mittwoch erhielt er dem Sprecher zufolge schließlich eine tödliche Injektion, um 18.47 Uhr Ortszeit wurde er für tot erklärt.

Vorwurf der Anwälte: Beweise ignoriert?

Swearingen war laut dem Death Penalty Information Center bereits der zwölfte Häftling, der 2019 in den USA hingerichtet wurde - und der vierte in Texas. Der Bundesstaat hat mehr Gefangene hingerichtet als jeder andere Staat, seit der Oberste Gerichtshof 1976 die Todesstrafe wieder zugelassen hat. Erst vor knapp einer Woche hatte Tennessee einen verurteilten Doppelmörder hingerichtet - und setzte dafür den seit Langem umstrittenen elektrischen Stuhl ein.

Im Fall Larry Swearingen hatten seine Anwälte vergeblich versucht, die Hinrichtung noch aufzuhalten. Sie argumentierten, die Justiz habe wichtige Beweise ignoriert, die ihren Mandanten entlasten würden. Die Anklagebehörde ließ jedoch keine Zweifel an Swearingens Schuld.

Hinrichtungen seit 1976

Eine Jury hatte Swearingen im Jahr 2000 wegen Mordes an Melissa Trotter schuldig gesprochen. Sie war am 8. Dezember 1998 verschwunden. 25 Tage später wurde sie in einem waldreichen Gebiet im Sam Houston National Forest tot aufgefunden, mit einer Strumpfhose um ihren Hals. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, er habe "absolut keine Zweifel", dass Larry Swearingen die junge Frau getötet habe.

Melissa Trotters Familie äußerte sich in einer von der texanischen Justiz verbreiteten Stellungnahme nach der Exekution. "Heute wurde Melissa Gerechtigkeit zuteil", heißt es darin. "Wir danken Gott, dass er uns durch diese schreckliche Tortur geführt hat. Wir denken, dass wir jetzt vorankommen und den Heilungsprozess beginnen können."

Während des Prozesses trug die Staatsanwaltschaft Zeugenaussagen, Handynachweise und zahlreiche andere Beweismittel zusammen, um Swearingens Schuld am Tod der jungen Frau zu belegen. Die Ankläger beschrieben ihn als kriminellen Soziopathen, der Gewalt gegen Frauen verübe. Er hatte zudem offenbar einen Mitinsassen dazu bewegen wollen, die Verantwortung für die Tat zu übernehmen.

Die texanischen Behörden lehnten ein Gnadengesuch Swearingens am Montag ab. Am Mittwoch entschied der Oberste Gerichtshof der USA gegen eine Aussetzung der Hinrichtung. Noch am Tag dieser Entscheidung erhielt Larry Swearingen die Giftspritze.

apr/Reuters/AP



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