Todesstrafe in Georgia Geistig Behinderter mit Giftinjektion hingerichtet

Er soll die geistigen Fähigkeiten eines Elfjährigen gehabt haben: Im US-Bundesstaat Georgia ist der zweifache Mörder Warren Lee Hill hingerichtet worden. Für seine Begnadigung hatte sich unter anderem Ex-Präsident Jimmy Carter eingesetzt.

Verurteilter Mörder Hill: Geistige Fähigkeiten eines Elfjährigen
DPA/ Georgia Department of Corrections

Verurteilter Mörder Hill: Geistige Fähigkeiten eines Elfjährigen


Atlanta - Zweimal war seine Hinrichtung in letzter Sekunde gestoppt worden, nun wurde die Todesstrafe vollstreckt: Mit einer tödlichen Injektion ist der 54 Jahre alte Warren Lee Hill im US-Bundesstaat Georgia hingerichtet worden.

Hill hatte 1986 seine 18-jährige Freundin Myra Wright erschossen, dafür eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten und 1990 dann seinen Mithäftling Joseph Handspike mit einem Nagelbrett erschlagen. Dieser zweite Mord trug ihm die Todesstrafe ein.

Hills Anwälte machen seit Jahren geltend, dass ihr Mandant nur einen Intelligenzquotienten von 70 und die geistigen Fähigkeiten eines Elfjährigen hatte. Damit hätte er nach geltendem Recht nicht hingerichtet werden dürfen.

5000 Menschen hatten eine Petition unterschrieben, um sein Leben zu retten. Neben Menschenrechtlern, der führenden Juristenvereinigung der USA und medizinischen Experten machten sich auch Prominente wie Ex-Präsident Jimmy Carter für Hill stark. "Seine illegale Hinrichtung wird für immer ein moralischer Fleck auf den Menschen dieses Staates und den Gerichten bleiben, die das haben geschehen lassen", sagt sein Anwalt Brian Kammer.

Das Oberste Gericht der USA hat Hinrichtungen geistig Behinderter 2002 als "grausame und ungewöhnliche Bestrafung" verboten. Die Kriterien für die Feststellung eines solchen Handicaps bleiben aber den Bundesstaaten überlassen. Georgia legt dabei die strengsten Maßstäbe an.

Der Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, Hill sei sich seiner Taten bewusst gewesen. Er habe in der US Navy gedient und sei für seine jüngeren Geschwister eine Vaterfigur gewesen.

Drei Gutachter hatten Hill im Jahr 2000 bescheinigt, dass er nicht geistig behindert sei. Dann widerriefen sie allerdings diese Bewertung - mit der Begründung, dass sie den Häftling seinerzeit nur flüchtig untersucht hätten.

2013 war Hill schon ein Beruhigungsmittel verabreicht worden, als zwei Berufungsinstanzen verfügten,dass die Vollstreckung auszusetzen sei. Die Richter verlangten damals eine weitere Prüfung ärztlicher Gutachten. Im Prinzip seien sich alle Experten - sowohl die vom Staat als die vom Kläger bestellten - darüber einig, dass Hill tatsächlich geistig behindert ist, hieß es damals.

Menschenrechtler protestieren seit langemgegen die Exekution Geisteskranker in den USA.

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Hinrichtung Geisteskranker: "Unzivilisiert und unmenschlich"

vet/AP

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