Todesstrafe in den USA Tennessee führt elektrischen Stuhl wieder ein - aus Mangel an Giftspritzen

Im US-Bundesstaat Tennessee sollen Todeskandidaten künftig auch wieder mit dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden. Grund dafür ist der landesweite Mangel an Giftspritzen. Eine Wahl soll den Verurteilten nicht bleiben.
Gouverneur Bill Haslam: Todeskandidaten in Tennessee künftig wieder mit dem elektrischen Stuhl hinrichten

Gouverneur Bill Haslam: Todeskandidaten in Tennessee künftig wieder mit dem elektrischen Stuhl hinrichten

Foto: Erik Schelzig/ AP

Hamburg - Die USA haben Probleme, an die Substanzen der Giftspritze zu kommen - deshalb sollen Todeskandidaten in Tennessee künftig auch wieder mit dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden. Die Methode wurde seit mehr als sieben Jahren in dem US-Bundesstaat nicht mehr angewendet. Gouverneur Bill Haslam hat jedoch nun ein Gesetz unterschrieben, das diese Tötungsmethode wieder ermöglicht, sollten die Medikamente für die Spritze nicht besorgt werden können. Eine Wahl haben die Verurteilten demnach nicht.

"Es gibt uns eine andere Option. Wir hatten so viele Probleme mit der Giftspritze", sagte ein Regierungssprecher. Ein Todesstrafen-Experte sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass es jedoch denkbar sei, dass sich Gerichte einer tatsächlichen Hinrichtung mit dem elektrischen Stuhl entgegenstellen könnten. "Es gab in der Vergangenheit schon grausame Zwischenfälle mit der elektrischen Hinrichtung, das haben die Gerichte noch nicht vergessen."

Die Giftspritze ist in allen Bundesstaaten, in denen es die Todesstrafe gibt, die vorwiegende Hinrichtungsmethode. In manchen Staaten können die Todeskandidaten entscheiden, ob sie etwa gehängt oder vergast werden möchten.

Kritik an der Hinrichtung durch die Giftspritze hat vor einigen Wochen die missglückte Tötung eines Verurteilten in Oklahoma hervorgerufen. Bei der Injektion war eine Vene geplatzt, der Mann rang 43 Minuten mit dem Tod, ehe er an einem Herzinfarkt starb. Vor diesem Hintergrund hatte das oberste US-Gericht die Exekution von Russell Bucklew vorerst gestoppt. Der 46-Jährige hatte geltend gemacht, gesundheitliche Probleme würden eine Hinrichtung mit einem Giftcocktail quälend und schmerzhaft machen.

Hintergrund der Nachschubprobleme ist, dass sich die europäischen Hersteller der Chemikalien weigern, sie für Hinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Mehrere US-Bundesstaaten benutzten daher nicht erprobte Giftmischungen von nicht bundesweit zertifizierten Herstellern. Viele Behörden halten geheim, wie sie ihre Mittel beschaffen und wer sie herstellt.

vks/Reuters