Todesstrafe Iranerin wegen Mordes an Nebenbuhlerin hingerichtet

In Iran ist die Freundin eines ehemaligen Fußballers wegen Mordes an dessen Erstfrau hingerichtet worden. Schahla Dschahed hatte bei den Angehörigen des Opfers um Gnade gefleht, um der Exekution zu entgehen. Vergeblich.

Im Iran hingerichtet: Schahla Dschahed auf einem Archivbild vom Juni 2004
AFP

Im Iran hingerichtet: Schahla Dschahed auf einem Archivbild vom Juni 2004


Teheran - Wie die Nachrichtenagentur Isna berichtete, wurde Schahla Dschahed am Mittwochmorgen im Evin-Gefängnis in Teheran gehängt. Zuvor hatte das Oberste Gericht das Urteil bestätigt, wonach die Angeklagte eine Nebenbuhlerin aus Eifersucht getötet haben soll. Noch am Dienstag hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Iran aufgefordert, die Hinrichtung auszusetzen und auf die mögliche Unschuld der Frau hingewiesen.

Die Angeklagte hatte das Verbrechen zunächst geleugnet, dann aber ein Geständnis abgelegt. Später widerrief sie ihre Aussage. Iranische Rechtsexperten äußerten die Vermutung, sie sei fälschlicherweise verurteilt worden. Menschenrechtler erklärten, ihr Geständnis könne durch Folter zustandegekommen sein.

Acht Jahre lang beschäftigte der Fall die iranische Öffentlichkeit, vor allem, weil es sich bei dem Mordopfer um die Frau des populären Fußballspielers Nasser Mohammad Chani handelte. Die Täterin, damals eine Nebenfrau auf Zeit, soll die Hauptfrau des Sportlers vor acht Jahren erstochen haben.

Schiitische Muslime dürfen nach ihren Glaubensgrundsätzen drei Frauen neben der Hauptfrau haben. Außerdem können sie zeitlich begrenzte Ehen eingehen, um etwa außereheliche Beziehungen zu legitimieren. Frauen dürfen nur einmal verheiratet sein.

Die Verurteilte hatte bei der Familie des Mordopfers um Gnade gefleht. Vergeblich: Wie die Nachrichten-Website "khabaronline.ir" berichtet, zog der Sohn der erstochenen Frau den Stuhl unter den Füßen der Verurteilten weg. Auch der frühere Fußballspieler Chani war Zeuge der Hinrichtung. Nach islamischem Recht können enge Familienmitglieder mit einem Gnadenakt dem Mörder eines Angehörigen die Vollstreckung des Todesurteils ersparen.

Auch Mitarbeiter der Justizbehörden sprachen "khabaronline" zufolge fast eine Stunde lang mit der Familie des Opfers und versuchten, das Leben der Verurteilten zu retten. In den vergangenen Jahren hatten zahlreiche iranische Intellektuelle die Familie um Gnade für die Frau gebeten.

Mit der Hinrichtung Dschaheds wurden einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP basierend auf Medienberichten zufolge in diesem Jahr in Iran bereits 146 Menschen hingerichtet. Im vergangenen Jahr waren es 270.

ala/dpa/AFP/AP



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