Parlament überstimmt Gouverneur Nebraska schafft Todesstrafe ab

Mit einem Veto wollte Gouverneur Pete Ricketts verhindern, dass in Nebraska die Todesstrafe abgesetzt wird. Das Parlament stimmte erneut ab - und setzte sich durch.

Senatoren Ernie Chambers und Kathy Campbell nach der Abstimmung im Parlament: 30 Stimmen für die Aufhebung des Vetos
AP/dpa

Senatoren Ernie Chambers und Kathy Campbell nach der Abstimmung im Parlament: 30 Stimmen für die Aufhebung des Vetos


Das Parlament von Nebraska hat sich bei der Abschaffung der Todesstrafe über Gouverneur Pete Ricketts hinweggesetzt. Mit 30 zu 19 Stimmen setzten die Abgeordneten das Veto des Republikaners außer Kraft. Nebraska ist damit der 19. US-Bundesstaat, der - ebenso wie der Hauptstadt-Distrikt Washington - die Todesstrafe abschafft.

In dem Bundesstaat im Mittleren Westen der USA gab es seit 1997 keine Hinrichtung mehr. In den Todeszellen sitzen derzeit elf Verurteilte. Die Abschaffung betrifft auch sie: Das neue Gesetz soll rückwirkend gelten. Noch nicht vollstreckte Todesstrafen sollen in lebenslange Haft umgewandelt werden.

Ricketts hatte zuvor in Gegenwart von Angehörigen eines Verbrechensopfers das Veto unterzeichnet. Eine Abschaffung der Todesstrafe sende "die falsche Botschaft an die Einwohner von Nebraska, die in ihrer großen Mehrheit die Todesstrafe unterstützen und wollen, dass die Regierung die Sicherheit der Öffentlichkeit verstärkt und nicht schwächt", sagte der Gouverneur zur Begründung. Kriminelle könnten die Abschaffung zudem als Schwäche des Staates im Kampf gegen Verbrechen verstehen.

Er stehe zu seinem Veto, auch als katholischer Christ, der die Anwendung der Todesstrafe mit seinem Gewissen und dem Katechismus vereinbaren könne, hatte der Gouverneur gesagt.

Insgesamt 29 Bundesstaaten sowie die Hauptstadt Washington und die Bundesbehörden wenden die Todesstrafe nicht an, selbst wenn sie laut Gesetz noch möglich ist. Vergangenes Jahr wurden 80 Prozent der Hinrichtungen in den USA in den drei Bundesstaaten Texas, Missouri und Florida vollstreckt.

brk/Reuters/AP



insgesamt 18 Beiträge
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tolate 28.05.2015
1.
Das ist mal eine gute Nachricht im Zusammenhang mit der amerikanischen Justiz. Die Einbeziehung der Mutter eines Mordopfers zur publikumswirksamen Unterzeichnung des Vetos gegen die Abschaffung der Todesstrafe wird durch den Hinweis auf die Fähigkeit des Gouverneurs, seinen katholischen Glauben mit der Vollstreckung der Todesstrafe vereinbaren zu können, nicht besser. Wenn es so wäre, dass tatsächlich nur die Todesstrafe den Angehörigen von Opfern von Gewalttaten es ermöglicht, mit diesem Schlag fertig zu werden, wäre sein Einwand noch nachzuvollziehen. Aber es dürfte ziemlich klar sein, dass zwischen manchen in der Tat sehr schwer nachvollziehbaren strafmildernden Entschuldigungen für die Täter und dem amerikanischen Vollzug einer langen Gefängnisstrafe ein wesentlicher Unterschied ist. Skandalös ist sicher, wenn ein bereits sehr weit in den Bereich der extremen gefühllosen Gewaltkriminalität vorgedrungener junger Erwachsener routinemäßig einen Entwicklungsrückstand strafmildernd bescheinigt bekommt in Form der Anwendung des Jugendstrafrechtes ohne jedes Nachdenken darüber, ob es sich wirklich um einen mit dieser Milde aufholbaren Entwicklungsrückstand handelt. Das ist aber ein Problem, das mit der Vollstreckung einer Todesstrafe nicht gelöst wird.
spiegelleser85 28.05.2015
2. Nach dem Volksentscheid in Irland
läßt auch dieser Parlamentsbeschluß Hoffnung aufkeimen
dirkozoid 28.05.2015
3. die Bundesbehörden klagen aber auf die Todesstrafe
Bei Dschochar Zarnajew zum Beispiel.
privacy=dignity 28.05.2015
4. Bravo
Gut mal solch eine Nachricht vor dem Schlafengehen zu lesen. Glückwunsch Nebraska !
haltetdendieb 28.05.2015
5. Endlich wieder mal etwas Gutes aus den USA
Ich freue mich ja schon, wenn etwas Selbstverständliches in den USA durchgesetzt wird! Keine Todesstrafe in Nebraska. Es werden immer mehr Staaten. Und bald ganz Amerika! Und das ist gut so!
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