Todesstrafe US-Heckenschütze beteuert seine Unschuld

Es ist der letzte verzweifelte Versuch sein Leben zu retten: In einem handgeschriebenen Brief bittet der zum Tode verurteile "Scharfschütze von Washington", John Allen Muhammad, um Gnade. Die Anwälte des 48-Jährigen beantragten eine Aussetzung der für den kommenden Dienstag geplanten Hinrichtung.


Richmond - Der als Drahtzieher von zehn Morden im Großraum Washington zum Tode verurteilte John Allen Muhammad hat fünf Tage vor seiner Hinrichtung noch einmal seine Unschuld erklärt. Er wies seine Anwälte an, einen von ihm im Mai 2008 geschriebenen Brief zu veröffentlichen, in dem er sich als "dieser unschuldige schwarze Mann" bezeichnete.

Der 48-Jährige soll am kommenden Dienstag in einem Gefängnis des US-Bundesstaats Virginia mit einer Giftspritze hingerichtet werden. Muhammad war wegen der Ermordung eines Mannes im Oktober 2002 auf einer Tankstelle in Manassas/Virginia verurteilt worden.

Er soll zudem Drahtzieher einer Serie von neun weiteren Heckenschützenmorden gewesen sein, die drei Wochen lang die Menschen in den Staaten Maryland und Virginia sowie dem Hauptstadtbezirk in Atem gehalten hatte. Damals waren Menschen offenbar vollkommen willkürlich vor Supermärkten, Tankstellen und anderen Orten aus dem Hinterhalt erschossen worden. Muhammads damaliger Komplize, Lee Boyd Malvo, wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Anwälte von John Allen Muhammad beantragten vor dem Supreme Court in Washington eine Aussetzung der geplanten Vollstreckung. Die Argumentation der Verteidigung: Ihrem Mandanten sei nicht genug Zeit zur Ausschöpfung aller Berufungsmittel eingeräumt worden. Zudem hätte es Verfahrensfehler bei seiner Verurteilung gegeben. Es sei etwa nicht ausreichend berücksichtigt worden, dass Muhammad unter Paranoia und anderen "mentalen Störungen" gelitten habe. Muhammad leide seit einem Militäreinsatz 1990 am Persischen Golf unter dem sogenannten "Golfkriegssyndrom". Der Supreme Court kann die Vollstreckung von Todesurteilen auch noch wenige Stunden vor dem angesetzten Termin aussetzten.

Im Oktober hatten Muhammads Anwälte dem Gouverneur von Virginia, Timothy M. Kaine, eine 40-minütige Videobotschaft geschickt. Darin ersuchten sie gemeinsam mit Medizinern den katholischen Demokraten um Gnade. Kaine gilt als Gegner der Todesstrafe. Dennoch gab er bislang neun Todesurteilen seine Zustimmung. In einem Fall machte Kaine allerdings eine Ausnahme und wandelte ein Todesurteil in eine Gefängnisstrafe um. Es handelte sich um einen Verurteilten, der nach Kaines Auffassung "psychisch zu krank" gewesen sei, um hingerichtet zu werden.

mas/AP



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