Todesstrafe USA vollstrecken 1000. Hinrichtung

Heute Morgen ist in den USA der 1000. Häftling seit Wiedereinführung der Todesstrafe vor drei Jahrzehnten hingerichtet worden. Das letzte Gnadengesuch Kenneth Lee Boyds, der vor elf Jahren wegen zweifachen Mordes verurteilt worden war, wurde abgelehnt.


Washington - Der Oberste Gerichtshof hatte bereits ein Gnadengesuch abgelehnt, dann sagte auch der Gouverneur des Bundesstaates North Carolina, Mike Easley, nein. Der 57-jährige Kenneth Lee Boyd ist daraufhin um 2 Uhr Ortszeit (8 Uhr MEZ) mit einer Giftspritze getötet worden.

Todeskandidat Boyd: Zweifelhafte Ehre, der 1000. zu sein
AFP

Todeskandidat Boyd: Zweifelhafte Ehre, der 1000. zu sein

Vor dem Zentralgefängnis von Raleigh versammelten sich viele Gegner der Todesstrafe. Drei Stunden vor der Exekution wollten sie damit beginnen, die Namen der 999 in den USA hingerichteten Häftlinge zu verlesen.

Boyd wurde 1994 wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilt. Der Vietnam-Kriegsveteran hatte vor den Augen seiner beiden Söhne die von ihm getrennt lebende Ehefrau und seinen Schwiegervater erschossen. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International soll Boyd zur Tatzeit nach exzessivem Alkoholkonsum die Kontrolle über sich verloren haben. Nach den Worten seiner Anwälte hat Boyd die Tat zutiefst bereut.

Boyd sprach nach Angaben der lokalen Zeitung "News&Observer" vor seiner Hinrichtung noch mit seinen erwachsenen Söhnen. Zwei Tage vor der geplanten Hinrichtung hatte der Bischof von Raleigh, Joseph Gossman, zur Abschaffung der Todesstrafe aufgerufen. Der Bischof setzte damit Gouverneur Easley, einen Katholiken, unter Druck, den Häftling doch noch zu begnadigen.

Unterdessen wurde in Singapur ungeachtet internationaler Gnadenappelle ein Australier wegen Rauschgiftschmuggels hingerichtet. Der 25-jährige, aus Vietnam stammende Nguyen Tuong Van starb am Freitagmorgen durch den Strang, wie das Innenministerium mitteilte. Nach Angaben von Amnesty International aus dem Jahr 2004 wurden in Singapur seit 1991 fast 420 Menschen exekutiert, die meisten wegen Drogenvergehen. Damit habe der Stadtstaat gemessen an der Bevölkerungszahl weltweit die höchste Zahl an Hinrichtungen.



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