Tödliche Therapie Lebenshilfe-Guru James Arthur Ray festgenommen

Seine Kunden nannte er "spirituelle Krieger", in der Wüste Arizonas sollten sie ihr Bewusstsein erweitern, sich zum Erfolg denken. Jetzt wurde James Arthur Ray, einer der bekanntesten Lebenshilfe-Berater Amerikas, festgenommen. Er soll für den Tod von drei Menschen verantwortlich sein.


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James Arthur Ray: "Er stand einfach nur da"
Hamburg - Die Karriere des amerikanischen New-Age-Gurus James Arthur Ray, der ein Vermögen mit dubiosen Heilsversprechen scheffelte, ist vorerst gestoppt.

Am Mittwoch wurde Ray festgenommen - er soll schuld am Tod dreier Menschen sein, die bei einem seiner Seminare im Oktober 2009 den Tod fanden. Die Höhe der Kaution für Ray wurde auf fünf Millionen Dollar festgesetzt.

Ray war mit New-Age-Büchern und Fernsehauftritten berühmt geworden, sogar bei Talk-Königin Oprah Winfrey warb er für seine Philosophie.

Der 52-Jährige führte in Sedona in der Wüste Arizonas Workshops durch, Höhepunkt der Veranstaltung war in jeder Oktoberwoche eine "Reinigungszeremonie" in einem als Sauna hergerichteten Zelt.

Die 60 "spirituellen Krieger", die pro Person rund 9000 Dollar für das Seminar gezahlt hatten, sollten sich dort gesund schwitzen. Ray hatte angekündigt, die Teilnehmer würden die "intensivste Erfahrung" ihres Lebens machen.

Für drei Amerikaner war es die letzte Erfahrung ihres Lebens. Kirby Brown, 38, und James Shore, 40, wurden im Zelt ohnmächtig und starben später im Krankenhaus an Erschöpfung. Liz Neuman, 49, fiel ins Koma und starb nach einer Woche. 18 weitere Teilnehmer mussten ärztlich behandelt werden.

"Es handelte sich um einen schrecklichen Unfall, aber nicht um eine kriminelle Handlung", sagte Rays Anwalt Luis Lu am Mittwoch. Sein Mandant habe von Anfang an mit den Ermittlungsbehörden kooperiert, niemand habe die Geschehnisse vom 8. Oktober vorhersehen können.

Einige Zeugen widersprechen dieser Darstellung.

Während der zweistündigen Zeremonie im 36-Quadratmeter großen, dunklen Zelt, in dem heiße Steine aufgetürmt worden waren, sollen mehrere Teilnehmer schon bald über heftiges Unwohlsein geklagt haben, sie hätten sich übergeben, seien kollabiert. Dennoch habe Ray die Teilnehmer laut Polizeiberichten dringend ermahnt, sich über physisches Unwohlsein "zu erheben" und habe diejenigen gerügt, die das Zelt verlassen wollten.

Die Tochter des Opfer Liz Neumann, Andrea Puckett, zeigte sich über Rays Festnahme erleichtert: "Es hilft einem schon zu wissen, dass er jetzt niemandem mehr schaden kann", sagte sie.

Die Großmutter der in Arizona ums Leben gekommenen Kirby Brown, Ginny, sagte: "Was mich total schockierte, war Rays Verhalten, nachdem Kirby gestorben war - es hat seinen wahren Charakter offenbart. Das war kein schrecklicher Unfall - sein Glaube an die eigene Allmacht hat ihn völlig verblendet."

Am Donnerstag soll Ray dem Haftrichter vorgeführt werden.

Im Fernsehen ist er zuletzt nicht mehr aufgetreten, zwei geplante Buch-Veröffentlichungen wurden gestoppt.

pad/AP



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