Tödlicher Angriff in Kirchweyhe Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre Jugendhaft

Wegen der tödlichen Attacke auf einen 25-Jährigen im niedersächsischen Kirchweyhe muss sich Cihan A. vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat nun sechs Jahre Jugendhaft gefordert. Vom ursprünglichen Mordvorwurf rückte sie ab.

Verden - Daniel S. starb nach einer brutalen Attacke am Bahnhof von Kirchweyhe. Der mutmaßliche Täter, Cihan A., soll den 25-Jährigen im März 2013 nach der Rückkehr von einem Discobesuch so zusammengeschlagen haben, dass S. wenige Tage später starb.

Im Prozess vor dem Landgericht Verden hat die Staatsanwaltschaft nun eine Jugendstrafe von sechs Jahren für A. gefordert. Der Angeklagte war zur Tatzeit 20 Jahre alt. Nach gut 30 Verhandlungstagen und widersprüchlichen Zeugenaussagen rückte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer vom ursprünglichen Mordvorwurf ab und forderte eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Dem Angeklagten sei nicht nachzuweisen, dass er sein Opfer mit zwei brutalen Tritten habe töten wollen. Sie sei aber fest davon überzeugt, dass er den 25-Jährigen so verletzte, dass er starke Hirnblutungen erlitt und wenig später im Krankenhaus starb, sagte die Staatsanwältin.

Der Fall hatte eine heftige Kontroverse ausgelöst, weil Rechtsextreme die Tat und den Migrationshintergrund des Verdächtigen für ihre Zwecke instrumentalisieren wollten. Auf der anderen Seite wurde das Opfer als Nazi tituliert - was offenkundig nicht stimmt.

Die Stimmung war so angespannt, dass Mahnwachen am Bahnhof in Kirchweyhe unter Polizeischutz stattfinden mussten. Bürgermeister Frank Lemmermann und seine Mitarbeiter wurden daraufhin so übel beschimpft, dass sie mehr als hundert Anzeigen auf den Weg brachten.

hut/dpa