Tödlicher Brechmitteleinsatz Staatsanwaltschaft legt Revision ein

Ein mutmaßlicher Drogendealer kam ums Leben, weil ihm ein Bremer Polizeiarzt Brechmittel einflößte. Zweimal wurde der Mediziner bereits vor Gericht freigesprochen, nun wollen Staatsanwaltschaft und Nebenklage das Urteil erneut überprüfen lassen.


Bremen - Nach dem Freispruch im Prozess um einen tödlichen Brechmitteleinsatz in Bremen haben Staatsanwaltschaft und Nebenklage Revision eingelegt. Das teilten die Nebenklagevertreterin Elke Maleika und Staatsanwalt Frank Passade am Dienstag mit. Der Bundesgerichtshof (BGH) muss nun entscheiden, ob der Prozess neu aufgerollt werden soll.

Der angeklagte Polizeiarzt war in der vergangenen Woche bereits zum zweiten Mal vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. Der 47-Jährige hatte 2004 einem 35-Jährigen Brechmittel eingeflößt, um an verschluckte Drogenpäckchen zu gelangen. Der mutmaßliche Dealer war ins Koma gefallen und später gestorben.

Der Arzt hatte bei der Beweismittelsicherung mit der Polizei zusammengearbeitet. Im ersten Verfahren wurde er freigesprochen, weil er nach Ansicht der Richter zu schlecht ausgebildet und zu unerfahren gewesen sei, um die Folgen seines Handelns abzusehen. Allerdings hatte die Kammer keinen Zweifel daran, dass er "objektiv" für den Tod des mutmaßlichen Dealers verantwortlich war.

Angehörige des aus Westafrika stammenden Toten legten beim BGH Revision ein - und die Karlsruher Richter ordneten eine komplett neue Verhandlung vor einer anderen Kammer des Landgerichts an, das in der vergangenen Woche mit einem Freispruch endete.

Nach Angaben eines Sprechers konnte das Gericht nicht mit Sicherheit feststellen, dass der Mediziner die Verantwortung für den Tod des 35-Jährigen trage. Die Anklage hatte auf eine neunmonatige Haftstrafe auf Bewährung plädiert.

hut/dapd



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