Tödlicher Zugspitzlauf Veranstalter weist Verantwortung zurück

Prozess um den Extrem-Berglauf zur Zugspitze, bei dem 2008 zwei Teilnehmer gestorben waren: Der Veranstalter hat zum Auftakt des Verfahrens jegliche Verantwortung für das Unglück zurückgewiesen. Er habe keine Schuld.


München - Knapp eineinhalb Jahre nach dem Kältetod von zwei Extrembergläufern auf der Zugspitze hat der Veranstalter des Rennens vor Gericht jegliche Schuld von sich gewiesen. "Ich bin nach langem Nachsinnieren zu der Überzeugung gelangt, dass mich keinerlei Schuld trifft", sagte Peter K. am Montag vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen zum Prozessauftakt.

Die Staatsanwaltschaft München wirft dem 54-Jährigen fahrlässige Tötung der beiden Sportler und fahrlässige Körperverletzung neun weiterer Läufer vor. Peter K. sprach den Angehörigen der Opfer sein Bedauern aus, sieht sich aber selbst nicht in der Verantwortung. Zum Prozess kam es, weil der Unternehmer Widerspruch gegen einen Strafbefehl über 13.500 Euro eingelegt hatte, obwohl er damit nicht vorbestraft gewesen wäre.

Bei dem Extremberglauf zur Zugspitze im Juli 2008 mit 600 Läufern waren die Sportler auf dem Weg zum Gipfel in Schneetreiben und eisige Winde geraten. Zwei Männer im Alter von 41 und 45 Jahren brachen wenige hundert Meter vor ihrer Ankunft auf dem Zugspitzplatt zusammen und starben unter anderem an Unterkühlung. Weitere Sportler mussten unterkühlt und teilweise mit leichten Erfrierungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ein Teil der Sportler trug bei dem Extremberglauf über 16,1 Kilometer und rund 2000 Höhenmeter nur kurze Hosen und T-Shirts.

Organisator kann Eskalation nicht erklären

Laut Anklage wies der Organisator vor Beginn zwar auf die notwendige Ausrüstung hin. Er hätte die angesichts des Wetters schlecht ausgerüsteten Läufer aber gar nicht erst starten lassen dürfen oder für ausreichende Ausrüstung sorgen müssen. "Der Angeklagte hätte bereits zum Start des Rennens erkennen können, dass viele Teilnehmer nicht ausreichend ausgerüstet zum Lauf angetreten waren", sagte Staatsanwältin Andrea Titz.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hätte K. zudem bereits nach einer ersten Schneewarnung der Bergwacht den Zieleinlauf frühzeitig in untere Höhenlagen verlegen müssen. Der Angeklagte selbst erklärte, er habe den Zieleinlauf nach einer zweiten Schneewarnung der Bergwacht nach unten verlegen lassen. "Ich fühlte, dass die Bergwacht überfordert werden könnte", begründete er seine damalige Entscheidung vor Gericht.

Die Wetterlage habe er aber nicht als alarmierend genug für einen Abbruch empfunden, sagte K. Er habe sich selbst auf dem Berg ein Bild von der Situation gemacht und mitbekommen, dass ein Läufer kollabiert sei. Auf die Frage des Richters, wie es dazu kommen konnte, sagte der Unternehmer: "Das kann ich Ihnen nicht sagen."

Läufer sollen sich falsch eingeschätzt haben

Sein Verteidiger erklärte, die Läufer hätten sich offenbar selbst falsch eingeschätzt. Dass von den damals neun verletzten Läufern bisher nur zwei einen Strafantrag gestellt hätten, werte er als Indiz dafür, dass die Läufer auch eine Mitschuld bei sich selbst sehen, erklärte Anwalt Stefan Beulke. "Ich erwarte von diesem Prozess einen Freispruch", sagte Beulke.

Laut Staatsanwaltschaft erstreckt sich der Strafrahmen bei fahrlässiger Tötung von einer Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage mit 25 Zeugen und einem Sachverständigen angesetzt. Das Urteil soll voraussichtlich am 1. Dezember gesprochen werden.

jdl/AP



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