Tote "Gorch Fock"-Kadettin Eltern verzichten auf weitere Beschwerde

Im Fall der 2008 über Bord gegangenen "Gorch Fock"-Kadettin Jenny Böken gibt es keine weitere Entschädigungsklage. Nach zwei Niederlagen wollen die Eltern nicht mehr vor das Bundesverwaltungsgericht.

Die "Gorch Fock" 2014 in Kiel
DPA

Die "Gorch Fock" 2014 in Kiel


Acht Jahre nach dem Tod der Bundeswehr-Kadettin Jenny Böken auf der "Gorch Fock" verzichten die Eltern auf weitere Rechtsmittel im Verwaltungsstreit gegen die Bundesrepublik Deutschland.

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hatte im September eine Klage der Eltern aus Geilenkirchen bei Aachen auf Entschädigung zurückgewiesen (Az.: 1 A 2359/1). Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Böken 2008 auf dem Segelschulschiff nicht unter "besonders lebensgefährlichen Umständen" gestorben ist. Diese Feststellung wäre notwendig gewesen, damit den Eltern nach dem Soldatenversorgungsgesetz 20.000 Euro zugestanden hätten.

Das OVG ließ keine Revision zum Bundesverwaltungsgericht nach Leipzig zu. Dagegen hätten die Eltern Beschwerde einlegen können. "Diesen Schritt gehen wir nicht mehr", sagte der Vater der Kadettin, Uwe Böken. Eine OVG-Sprecherin bestätigte, dass bislang keine Beschwerde in Münster eingegangen sei. Die Frist dafür laufe allerdings auch erst in einer Woche ab.

Vertrauen in den Rechtsstaat verloren

Die Eltern von Jenny Böken behalten sich dagegen strafrechtliche Schritte vor. Sie werfen dem Schiffsarzt und weiteren Zeugen Falschaussage vor dem OVG in Münster vor. Bereits kurz nach der Verhandlung hatten sie angekündigt, Strafanzeige zu erstatten. Daran wollen sie laut Uwe Böken festhalten. Bökens Anwalt kündigte an, die Wiederaufnahme der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft zu beantragen - auch wenn die Eltern laut Westdeutschem Rundfunk nicht mehr an eine neutrale Überprüfung der Umstände des Todes ihrer Tochter glauben. Die Familie habe das Vertrauen in den Rechtsstaat verloren.

Böken war in der Nacht zum 4. September 2008 nördlich von Norderney bei einer Nachtwache über Bord gegangen. Sie war damals 18 Jahre alt und Offiziersanwärterin im Sanitätsdienst der Bundeswehr. Die Leiche der jungen Frau aus dem nordrhein-westfälischen Geilenkirchen bei Aachen wurde elf Tage später bei Helgoland in der Nordsee gefunden. Die genauen Todesumstände blieben auch nach der Verhandlung in Münster ungeklärt. Die Staatsanwalt Kiel wertet den Todesfall bis heute als Unglück und hat kein Strafverfahren eröffnet.

Grabstein von Jenny Böken
DPA

Grabstein von Jenny Böken

Nach Meinung der klagenden Eltern war ihre Tochter jedoch gesundheitlich angeschlagen und nicht diensttauglich gewesen. Die Eltern waren bereits im Oktober 2014 mit einer Entschädigungsklage gegen die Bundesrepublik Deutschland gescheitert.

apr/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.