Tote Mädchen Soko "Margarete" rätselt über Doppelmord

Die beiden Mädchen, die im bayerischen Krailling getötet wurden, müssen schlimme Qualen erlitten haben: Laut Ermittlern starben die Schwestern aufgrund "vielfältiger Gewalteinwirkung". Die Haustür war in der Tatnacht nicht verschlossen - und ließ sich problemlos von außen öffnen.

Vor dem Haus, in dem die beiden toten Schwestern gefunden wurden
DPA

Vor dem Haus, in dem die beiden toten Schwestern gefunden wurden


Krailling - Im Fall der getöteten Kinder im oberbayerischen Krailling hat die Polizei bislang keinerlei Erkenntnisse, wer die Mädchen umgebracht haben könnte. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz am Freitag bekannt.

Die Mutter der Mädchen soll um 22.30 Uhr das Mehrfamilienhaus verlassen haben, in dem sie mit ihren Kindern in einer Wohnung im ersten Stock lebte. Die Frau arbeitet als Kellnerin in der nahe gelegenen Gaststätte "Schabernack", die ihrem Lebensgefährten gehört.

Laut Polizei kehrte sie gemeinsam mit dem Mann gegen 4.40 Uhr zurück und fand ihre Töchter leblos vor. Der genau Todeszeitpunkt sei noch unklar, hieß es.

Staatsanwältin Andrea Titz sagte, man ermittele wegen zweifachen Mordes. Beide Mädchen seien "einen gewaltsamen Tod gestorben". Als Ursache gab Titz an: "Vielfältige Gewalteinwirkung verschiedenster Ursachen", dabei würde auch ein Messer, das am Tatort aufgefunden wurde, eine Rolle spielen. Ob die Schwestern jeweils in ihren Kinderzimmern lagen, wollte sie nicht kommentieren.

Details zum "genauen Verletzungsbild" wollte sie wegen der "laufenden Ermittlungen" nicht bekanntgeben. Bislang gebe es "keine Anhaltspunkte für ein Sexualdelikt".

"Wer hat etwas Verdächtiges beobachtet?"

An der Tür des Hauses gebe es keine Einbruchsspuren, sagte der Leiter der Mordkommission, Markus Kraus. Diese sei allerdings nicht verschlossen gewesen und habe daher auch von außen geöffnet werden können. Die Mutter habe das absichtlich gemacht für Notfälle, "beispielsweise einen Brand oder ähnliches", so Kraus.

"Wir suchen Personen, die in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in Krailling Verdächtiges beobachtet haben", wandte sich Kraus an die Öffentlichkeit. Personen, die sich im "Schabernack" aufgehalten haben, sollten sich umgehend melden.

Man gehe von etwa 50 Personen aus. 30 Personen seien bislang vernommen worden, teilweise mehrere Stunden.

Das "Schabernack" schließe um 1 Uhr, die Mutter der Mädchen und ihr Lebensgefährte hätten sich anschließend dort aufgehalten.

Die Münchner Polizei hat zwischenzeitlich eine Sonderkommission mit dem Namen "Margarete" eingerichtet. Das bayerische Landeskriminalamt setzte für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro aus. Der Tatort werde bis nächste Woche noch untersucht, kündigte Kraus an.

Die 41 Jahre alte Mutter lebte getrennt vom Vater der Mädchen, das Paar sei geschieden, so Kraus. Das Verhältnis der Kinder zum Vater wird als intakt beschrieben.

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Polizei betonten noch einmal: Es gebe keinen Tatverdacht - weder gegen den Vater noch gegen den Freund der Frau noch gegen die Mutter selbst.

jjc



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