Toter Säugling in Berlin Lebensgefährte der Mutter misshandelte frühere Freundin

Das Leben der Frau, die ihr Baby in Berlin aus dem Fenster warf, war offenbar von Gewalt geprägt. Ihr Lebensgefährte soll sie und ihre 15-jährige Tochter misshandelt haben. 2003 hatte der Mann seine damalige Freundin so sehr geschlagen, dass sie an den Folgen starb.

Tatort in Berlin:
dapd

Tatort in Berlin:


Berlin - Nach und nach kommen die Hintergründe des Paares ans Licht, dessen Säugling am Sonntag in Berlin getötet wurde: Der Lebensgefährte der wegen Totschlags an ihrem Baby festgenommenen Mutter hat seine frühere Freundin so stark misshandelt, dass sie 2003 starb. "Der Mann hat die Frau mehrfach misshandelt. Das letzte Mal hat er während eines Streits so stark zugeschlagen, dass die Frau an den Folgen starb", sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge wurde der Mann im Jahre 2004 zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Der Mann soll der Vater des getöteten Säuglings sein, der am Sonntag von seiner Mutter aus dem Fenster ihrer Wohnung in Charlottenburg geworfen wurde. "So hat es uns die Mutter des Kindes gesagt", sagte ein Polizeisprecher. Im Oktober 2008 wurde die Strafe des mutmaßlichen Vaters, die auch die Unterbringung in einer Erziehungsanstalt umfasste, zur Bewährung ausgesetzt. Der Mann kam aus dem Gefängnis frei und wurde sofort wieder straffällig. "Er wurde 2009 unter anderem wegen Körperverletzung und Fahrerflucht zu 270 Tagessätzen verurteilt", sagte Steltner.

Die Aggressionen des Mannes hätten erneut sein nahes Umfeld, seine neue Lebensgefährtin und deren Tochter, getroffen. "Er hat der Frau ins Gesicht geschlagen und deren Tochter so gestoßen, dass sie gegen die Wohnungseinrichtung knallte", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bei den Geschädigten könne es sich um die am Sonntag festgenommene Mutter und ihre 15-jährige Tochter handeln.

Die 40-jährige Ines D. hatte gestanden, am Sonntag ein Baby in ihrer Wohnung in Charlottenburg zur Welt gebracht und wenige Stunden später aus dem Fenster im fünften Stock geworfen zu haben. Der Junge starb an den Folgen des Sturzes.

Ein 67-jähriger Bewohner des Mietshauses hatte die Leiche des Babys entdeckt, als er morgens den Müll hinunterbringen wollte. Der tote Säugling lag nach Polizeiangaben in einer blauen Plastiktüte. Ein Spezialeinsatzkommando nahm Ines D., ihren 44-jährigen Lebensgefährten und ihre 15-jährige Tochter fest. Der Mann und die Tochter wurden am Sonntagabend wieder freigelassen. Gegen die Mutter wurde am Montag Haftbefehl wegen Totschlags erlassen. "Nach unserem jetzigen Kenntnisstand trägt die Mutter die alleinige Schuld an der Tat", sagte Steltner.

ulz/dapd



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