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19. März 2012, 09:19 Uhr

Toulouse

Mehrere Tote bei Schießerei vor jüdischer Schule

Bei einer Schießerei vor einer jüdischen Schule in der südfranzösischen Stadt Toulouse hat es vier Todesopfer gegeben, darunter sind drei Kinder. Nach Angaben der Polizei floh der Täter auf einem Motorroller. Die Tat ähnelt Anschlägen aus jüngster Zeit, bei denen mehrere Soldaten starben.

Toulouse - Am frühen Montagmorgen hat ein Mann in Toulouse vor einer jüdischen Schule auf Kinder und deren Eltern geschossen. Er eröffnete das Feuer um kurz nach acht Uhr. Der Mann war demnach auf einem schwarzen Motorroller unterwegs.

Die Staatsanwaltschaft in Toulouse sprach von vier Toten, darunter drei Kinder. Der Täter habe am Montag "auf alles" geschossen, was sich bewegte. Der Unbekannte habe bei dem Angriff zwei Waffen bei sich gehabt. Nach übereinstimmenden Berichten französischer Medien sind ein Religionslehrer und seine beiden Kinder unter den Toten.

An allen Jüdischen Schulen Frankreichs wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Die Polizei setzt in Toulouse auf der Suche nach dem Täter Helikopter ein.

In demselben Teil der Stadt war vor gut einer Woche ein Fallschirmjäger von einem Unbekannten getötet worden. Der Täter war ebenfalls mit einem Motorroller unterwegs. Wenige Tage später waren im 50 Kilometer entfernten Montauban zwei weitere Fallschirmjäger von einem Motorrollerfahrer erschossen worden. Die Polizei suchte in den vergangenen Tagen intensiv nach dem Täter. Die Armee wies die Soldaten an, nur noch in Zivil die Kasernen zu verlassen und verstärkte die Kontrollen.

Die Morde in Toulouse und Montauban waren mit derselben Waffe verübt worden, Kaliber 11,43 Millimeter, das häufig auch im Schwerkriminellen-Milieu verwendet wird. Nach Angaben der Polizei hat eine der beiden Waffen, mit denen der Täter am Montagmorgen um sich schoss, ebenfalls das Kaliber 11,43.

Die drei getöteten Soldaten waren nordafrikanischer Abstammung, ein Soldat, der in Montauban lebensgefährlich verletzt wurde, ist Schwarzer. Die Einheiten, denen die Soldaten angehörten, sind regelmäßig in Afghanistan im Einsatz.

Nach dem Anschlag vom Montagmorgen äußerten sich Vertreter der jüdischen Gemeinde schockiert. "Diese grausame Tat deutet auf eine Gesellschaft hin, in der Intoleranz gären kann. Wir fordern die Behörden Frankreichs auf, alles daran zu setzen, den Täter zu finden und vor Gericht zu bringen", sagte der Vorsitzende der Europäischen Rabbikonferenz, Pinchas Goldschmidt.

Präsident Nicolas Sarkozy wird noch am Montag in die südfranzösische Stadt fliegen. Sein Amt kündigte in einer Erklärung an, Sarkozy werde sich mit mehreren Ministern an den Tatort begeben.

bim/AFP/dpa/AP

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